Drei Lehrstühle wurden vergangenes Jahr an der ZMK der Universität Bern neu besetzt und die Fachbereiche zum Teil neu organisiert. Doch nicht nur in Personal wurde investiert, sondern auch in Umbauten. Damit wurden die Grundlagen für eine Neuausrichtung der ZMK in Forschung, Lehre und Patientenbehandlungen geschaffen. Am Rande des 12. Entlebucher Fortbildungskurses in Sörenberg sprachen wir mit dem geschäftsführenden Direktor der ZMK Bern, Prof. Dr. Daniel Buser, und Prof. Dr. Anton Sculean, der seit dem 1. Dezember 2008 die Klinik für Parodontologie leitet.
Zusammenarbeit der beiden Disziplinen für den Erfolg besonders wichtig? DB: Die beiden Fachgebiete haben sich in den letzten Jahren immer mehr aufeinander zubewegt, vor allem natürlich wegen der Implantologie und wegen der Sto- matologie.DieSchnittmengeliegt inbeidenFachgebie- ten etwa bei 50 Prozent. Wenndie„Schnittmenge“derartgroßist,bietetsicheine Zusammenarbeit in Forschung, Lehre und Klinik gera- dezuan.GibtesPläne,dieRessourcenderbeidenKliniken fürOralchirurgieundParodontologieinKlinik,Forschung undinderLehrezuinstitutionalisieren?Gibt esVorbilder oder wäre die ZMK Bern hier Pionier? DBundAS:DasBernerModellmit einerengenKoopera- tion zwischen Oralchirurgie und Parodontologie ist in Europawohleinzigartigundweist vieleVorteileauf.Die beiden Kliniken teilen sich nicht nur den Operations- trakt, sondern auch Forschungslabors. Es gibt bereits heute eine große Zahl gemeinsamer Forschungspro- jekte.WirstellenzumBeispielimHerbst gemeinsamei- nen PhD-Studenten aus Kanada ein.Zudem werden wir ab Herbst ein gemeinsamesWeiterbildungsseminar in Implantologie beginnen, zusammen mit der Kronen- Brücken-Prothetik. WelcheVorteilehättedieseZusammenarbeitfürdieAus- bildung der jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte? DBundAS:ImBereichderStudentenausbildungwirddie Kooperation keine direkten Auswirkungen haben, nur im Bereich derWeiterbildung. Grundlagenforschung wird für die Zahnmedizin immer wichtiger. Die Forschung im Labor soll stark ausgebaut werden.WelcheGebietestehenimFokus?GibteseineZu- sammenarbeitmitder„Insel“,undwasdürfenZahnärzte und Patienten in Zukunft aus Bern erwarten? DB und AS: Die ZMK Bern haben eine gute Zusammen- arbeit mit der Forschungsgruppe des Inselspitals, spe- zielldemDKF(DepartmentfürklinischeForschung)und den Kiefer- und Gesichtschirurgen. Die ZMK Bern hat international einen hervorragenden Ruf.Wo sehen Sie noch Potenzial und was ist das Ziel? DB: Wir haben den Forschungsoutput in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesteigert. Wir sind aktuell beirund60Originalarbeitenundbeiknappüber100Im- pact Factor Punkten pro Jahr. Wir sind überzeugt, dass mitderengen,interdisziplinärenKooperationSynergien erzeugt werden,die sich positiv auf diesen Output aus- wirken werden.In drei bis fünf Jahren sollte das bei den Jahresanalysen erkennbar sein. Wissenschaftliche Erfolge sind ohne eine gesunde wirt- schaftliche Basis nicht möglich.Wie finanzieren die ZMK die ambitiösen Ziele? DB: Die laborgebundene Forschung an den ZMK Bern kostet aktuelletwa2Mio.CHFanLöhnen.Knapp50Pro- zent werden durch den Stellenetat der Universität Bern finanziert,derRestmussüberDrittmittelgeneriertwer- den.Drittmitteleinwerbung ist demnach ein Muss,was nur mit qualitativ hochwertigen Studienprotokollen möglichist.DieZMKBernhabenindenletztenfünfJah- ren pro Jahr durchschnittlich mehr als 1,5 Mio. CHF an Drittmitteln eingeworben. Dies gilt es zu steigern,wol- len wir unsere Forschung ausbauen. DerRufeinerKlinikhängtauchdavonab,wievieleZahn- ärzte aus dem In- und Ausland zur Weiterbildung und Masterkursen nach Bern kommen.Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus, und warum soll ein Zahnarzt aus Asien oder Südamerika lieber nach Bern kommen, an- statt eine amerikanische oder deutsche Universität zu besuchen? DB und AS: Beim Zahnmedizinstudium bestehen nicht viele Möglichkeiten,nicht zuletzt wegen der Sprache.In PostdocBereichenwollenwirdasAngebot deutlichver- bessern.EinerseitsfürklinischePostdocs,fürwelchewir ProgrammeimBereich„MasterofAdvancedDentalStu- dies“ anbieten. Im Bereich der Forschung werden das PhD-Programme sein. Prof. Buser, wenn Sie die ZMK als „Marke“ positionieren, mitwelchemSloganwürdenSiedieLeistungbeschreiben? DB:DieZMKBernpositionierensichallgemeinals„Kom- petenzzentrum für Lehre, Forschung und Spezialbe- handlung“.LehreundForschungsinddieakademischen Aufgaben, während die Spezialbehandlungen eine Er- gänzung zur Grundversorgung sind, welche in der Pri- vatpraxis angeboten wird. Im Bereich dieser Spezialbe- handlung wurden die ZMK Bern für denTag der offenen Tür (im Oktober 2009) neu auch als „Zentrum für Spit- zenzahnmedizin“ positioniert, weil das Zentrum den großen Vorteil hat, dass alle Disziplinen der Zahnmedi- zin an den ZMK unter einem Dach angeboten werden. Die Behandlungskonzepte basieren auf den neuesten Erkenntnissen der Forschung und können mit der mo- dernsten Infrastruktur angeboten werden. Wichtig ist auch der Aspekt,dass diese Behandlungen in enger Ko- operation mit zuweisenden Privatpraktikern erfolgen. Prof. Buser, Prof. Sculean, herzlichen Dank für dieses Ge- spräch.n 39 ORALCHIRURGIE JOURNAL 3/2010 Interview WHITE LOUNGE® VENEERSYMPOSIUM 5./6. November 2010 in der WHITE LOUNGE® Leipzig Nähere Informationen unter www.oemus.com Programminformationen in der E-Paper- Version des Oralchirurgie Journals unter: www.zwp-online.info/publikationen ANZEIGE
