
Chronische orofaziale Schmerzen stellen im klinischen Alltag eine große Herausforderung dar, die im Kontext der Akutbehandlung orofazialer Beschwerden oft wenig Beachtung finden. Nebst Risikofaktoren seitens der Patienten ist die diagnostische Fachkompetenz der Behandler mitentscheidend, ob ein akuter Schmerz chronifiziert wird. Um therapeutische Fehlentscheidungen zu vermeiden, steht eine ausführliche Anamnese und Befunderhebung im Vordergrund. Dabei müssen neben spezifischen Schmerzcharakteristika auch allgemeinmedizinische und psychosoziale Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) erfasst werden.
Strukturen mit einbeziehen und je nach Indikation durch zusätzliche Tests (Probeanästhesie, Bildgebung, Laborwerte etc.) ergänzt werden. Die Schwierigkeit einer eindeutigen Schmerzklassifi- zierung bei multiplen klinischen Symptomen orofazi- aler Schmerzen widerspiegelt sich in den teilweise uneinheitlichen diagnostischen Klassifikationssyste- men diverser internationaler Organisationen,wie z.B. der International Association for the Study of Pain (1994),International Headache Society (2004),Ameri- can Academy of Orofacial Pain (Okeson 1997) und Dia- gnostic Research Criteria for Temporomandibular Di- sorders (Dworkin und LeResche 1992). Im klinischen Alltag erleichtert eine Einteilung nach zeitlichem Schmerzmuster die diagnostische Zuordnung der Be- schwerden (Tabelle 1). In der Gruppe episodischer Beschwerden von weniger als einer Minute stehen die Neuralgien,insbesondere die Trigeminusneuralgie, im Vordergrund. Die blitzar- tig einschießenden, meist einseitigen Beschwerden werden häufig durch externe Stimuli (Rasur, Zähne- putzen, Reden) getriggert. Als Ursache einer klassi- schen Trigeminusneuralgie wird typischerweise ein neurovaskulärer Konflikt beobachtet, indem eine Ar- terie bei seinem Eintrittsbereich in den Hirnstamm den N.trigeminalis komprimiert.Zur Unterscheidung von einer symptomatischenTrigeminusneuralgie,die im Kontext einer Grunderkrankung (wie Tumoren oder multiple Sklerose) auftreten kann, ist eine krani- ale Bildgebung (MRI) immer indiziert. Als Therapie der Wahl gelten Carbamazepin und Oxcarbazepin, aber auch Baclofen und Lamotrigin werden im klini- schen Alltag verwendet. Bei therapierefraktären Fäl- len ist eine chirurgische Intervention (Ganglion Gas- seri, Gamma Knife, mikrovaskuläre Dekompression) zu erwägen (Gronseth et al.2008).Die Abgrenzung zu einer vertikalen Zahnfraktur, die häufig durch einen EPISODISCH mit schmerzfreien Phasen PERSISTIEREND schwankend in der Intensität Attacken<1min –Trauma/Infekt –Vertikale Zahnfraktur – Kraniale Neuralgie –Herpes-Reaktivierung(HerpesZoster) –Zahnschmerz (Pulpitis,Parodontitis,Pericoronitis) – Myoarthropathie (MAP) –AnhaltendeidiopathischeZahn- und Gesichtsschmerzen – Deafferenzierungsschmerz – Postherpetische Neuralgie – Zungen- und Mundbrennen – Spannungskopfschmerz –Tumoren im Kopf und ORL-Bereich MinutenbisStunden –PrimäreKopfschmerzenmitorofazia- lerSchmerzlokalisation(Migräne, trigemino-autonomeKopfschmerzen) (Vorwiegend)funktionsabhängig – Myoarthropathie (MAP) resp.Cranio- mandibuäre Dysfunktionen (CMD) –Arteriitis temporalis – Dissektionen der Karotis,AV-Fisteln –Tumoren (Kiefergelenke) Tab.1:KlinischeDifferenzialdiagnoseorofazialerSchmerzennachZeit- muster. '3/#09 /$ C 5,;9:81-9:8)D- C -::4)55 &-3 C )> 15.6,- )+:-65/86;7 +64 C === ,- )+:-65/86;7 +64 15.+0' ( +'&'3 #6( 163 10' #0#)'/'05 1#& *18 = +0 #64)'8;*.5'0 134%*' "'053'0 === *65- 4)5)/-4-5: -<-5: ,- ! $'+ '6)+'3+) '/15'3/+0 6('0 +' 604 #0 0(14 605'3 1&'3 (3#)'0 +' *3 '215 -19:;5/99:)82-8 '3:8)9+0)33/-5-8):68 .B8 ,1- 56+0-5+018;8/1- C 4)3 0A0-8- -19:;5/ E .B8 -15@1/)8:1/- %+05-331/2-1: C 6473-::3A9;5/ 41: 9:)82-4 473)5:636/1- 128646:68 '7 +0-.64+7' C 8/656419+0- 1+0:0)5,9:B+2- 41: ;> /)8)5:1-8-5 -15- 67:14)3- "# %1+0: 67:165)3 63)' +-31/1513 ,'5:5 #6%* /+5 +%*5 04536/'05' (<3 ,'&' 0&+-#5+10 67:165)3 3'45 2.+55+0) 65- %;8/-8? 15:-85-8 %15;931.: G!&$&F ->:-85-8 %15;931.: >:8)2:165 86=5 >:-59165 ;5, 265<-5:165-33- '3:8)9+0)33 )5=-5,;5/-5 ANZEIGE