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Chronische orofaziale Schmerzen stellen im klinischen Alltag eine große Herausforderung dar, die im Kontext der Akutbehandlung orofazialer Beschwerden oft wenig Beachtung finden. Nebst Risikofaktoren seitens der Patienten ist die diagnostische Fachkompetenz der Behandler mitentscheidend, ob ein akuter Schmerz chronifiziert wird. Um therapeutische Fehlentscheidungen zu vermeiden, steht eine ausführliche Anamnese und Befunderhebung im Vordergrund. Dabei müssen neben spezifischen Schmerzcharakteristika auch allgemeinmedizinische und psychosoziale Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) erfasst werden.

n Die Komplexität der chronischen orofazialen Schmerz- krankheit erfordert häufig einen interdisziplinären Diag- nose- und Therapieansatz, wobei das Fachwissen und die Einschätzung der eigenen Kompetenz des Erstbe- handlersrichtungweisendfürdenVerlaufist. Orofaziale Beschwerden umfassen Schmerzen im Ver- sorgungsbereich des Nervus trigeminalis. Weil Be- schwerden u.a.infolge anatomischer Überlappung und neuraler Sensibilisierungsprozesse meist nicht auf ei- nen Einzelast dieses Nerven begrenzt sind, gehören dazu nebst muskuloskelettalen und neuropathischen Schmerzen auch diverse Kopfweharten. Differenzialdi- agnostischsindInfektionen,TumorenundAutoimmun- prozesse auszuschließen,was eine strukturierte Vorge- hensweise erfordert. Im Vordergrund steht dabei eine ausführliche Schmerzanamnese mit einer ersten Ver- dachtsdiagnose, die durch eine umfassende klinische Untersuchung ergänzt werden muss. Im Einzelfall sind weitere diagnostische Screenings durchzuführen, die nichtselteneineninterdisziplinärenAnsatzfordern.Aus der Summe aller Informationen ergibt sich dann eine oder oft mehrere Diagnosen, die die Grundvoraussetzung für eine Therapieplanung und erste the- rapeutische Sofortmaßnahmen darstellen. Dabei erlauben akute Beschwer- deninderorofazialenRegionmit eindeutigem klinischen Korrelat eine schnelle (zahn-)ärztliche Diagnostik und Therapie. Die Komplexität einer chronischen Symptomatik kann jedoch über eine schmerzbezogene Kurz- anamnese nicht erfasst werden. ImGegenteil,dieGefahristgroß, dass eine Schnelldiagnostik zu einer klinischen Fehleinschät- zung mit möglicherweise fal- schem Therapieansatz, resultie- renden iatrogenen Zusatzschä- den und nicht selten forensi- schem Nachspiel führt.Somit steht bei unklaren orofa- zialenSchmerzeneineausführlicheAnamneseimZent- rumdesdiagnostischenProzesses.DieGrundlagedafür bietet ein detaillierter Schmerzfragebogen (Abb. 1a–b), wie er beispielsweise im Rahmen der Sprechstunde für orofazialeSchmerzenamZentrumfürZahnmedizinder Universität Zürich (ZZM) eingesetzt wird. Wichtige Schmerzcharakteristiken sind Stärke, Lokali- sation, Qualität, Dauer, Zeitverlauf, Auslöser/Einfluss- faktoren, Begleitsymptome und Beeinträchtigung. AberauchDetailszubisherigenBehandlungenundder allgemeinmedizinische Hintergrund (Grunderkran- kungen, Schlafstörung, Medikamente etc.) sowie ins- besondere psychosoziale Angaben müssen erfragt werden. Dies ermöglicht ein umfassendes Erkennen der verschiedenen Schmerzdimensionen (sensorisch- diskriminativ, affektiv-emotional und kognitiv-beha- vioral)undführtzueinererstenListeanVerdachtsdiag- nosen. Die folgende klinische Untersuchung sollte in Abhängigkeit des Beschwerdebildes auch umliegende Special 8 IMPLANTOLOGIE JOURNAL 7/2011 Abb. 1a und b: Die ersten beiden Seiten des insgesamt zehn Seiten umfassenden Schmerzfrage- bogens der ZZM-Schmerzsprechstunde. Chronische orofaziale Schmerzen als Herausforderung für den Kliniker ChronischeorofazialeSchmerzenstellenimklinischenAlltageinegroßeHerausforderungdar, die im Kontext der Akutbehandlung orofazialer Beschwerden oft wenig Beachtung finden. Nebst Risikofaktoren seitens der Patienten ist die diagnostische Fachkompetenz der Be- handler mitentscheidend, ob ein akuter Schmerz chronifiziert wird. Um therapeutische Fehl- entscheidungen zu vermeiden, steht eine ausführliche Anamnese und Befunderhebung im Vordergrund. Dabei müssen neben spezifischen Schmerzcharakteristika auch allgemeinme- dizinische und psychosoziale Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) erfasst werden. Dr. med. dent. Kathrin Kohout, Dr. phil. Ursula Galli, Dr. med. et med. dent. Dominik Ettlin/Zürich, Schweiz