
Gesundheitsschäden durch Fluglärm, Schadstoffe und Feinstaub, Einfluss auf Stadtklima und Ökosysteme
gen in der Umgebung an anderen Großflughäfen muss befürchtet werden, dass es an einzelnen Tagen in Abhängigkeit vom lokalen Wetter zu Überschreitungen zuläs- sigerGrenzwertevonSchadstoffenkommenkann.ClearairforEuropenenntdieEu- ropäische Kommission die Strategie zur Bekämpfung der Luftverschmutzung. Das für 2020 angestrebte Ziel ist die Minderung der Luftverschmutzung, sodass von ihr keine inakzeptablen Auswirkungen auf Mensch und Tier ausgehen. Die Richtlinie 2008/50/EGbestätigtdiegeltendenGrenzwertefürStickstoffdioxid,Stickstoffoxide, Benzol,Kohlenmonoxid,Bleiundlegt zusätzlich Luftqualitätsstandardsfür die noch kleineren PM2.5-Feinstäube fest. Besonders die Feinstäube mit kleinsten Partikel- größen, die mit organischen Substanzen kontaminiert sind, werden durch die Dü- senstrahltriebwerkeinHöhenunter1.500MeterndirektindiefürdieLungenatmung relevantenLuftschichtenderMenschenausgestoßenundkönnenbisindieAlveolen (Lungenbläschen) gelangen, was besonders gefährlich ist. Die Abgaswolke enthält u.a. Benzole,Ethylbenzole,Naphthalin,Phenol,Mesithylen,XyloleundandereStoffe. Die Substanzen sind kanzerogen, führen zu Erkrankungen der Atemwege und der Lunge,könnenChromosomenveränderungensowieLeber-undNierenschädenaus- lösen (Abb. 9). Pro Jahr werden durch den Flugverkehr im Probelauf im Untersuchungsraum 1.586 Tonnen CO (Kohlenmonoxid) erzeugt.6 CO ist stark giftig mit einer Lebensdauer von 40 Tagen. Durch die hohen Temperaturen bei der Verbrennung von Kerosin entste- henStickoxideNOx.7,8 BeinormalenUmgebungstemperaturenwandeltsichdasNOx in NO2 (Stickstoffdioxid) um. NO2 ist ein giftiges und sehr aggressives Gas. Ein Anteil, ca. 50%, des NO2, wird in Salpetersäure umgesetzt.7–9 Nach Angaben im Planfest- stellungsverfahren werden durch den Luftverkehr 1.806 Tonnen NOx/NO2 emittiert, davondieHälfte,also903Tonnen,inSalpetersäureumgesetzt.DadieseSäureschwe- reralsLuftist,fälltsiealssaurerRegeninderWald-undSeenlandschaftderBürger- heide/Müggelseenieder.DerSchwefelgehaltimKerosinwirdmit0,05bismax.O,3% angegeben. Bei 0,05% sind das pro Tonne Kerosin 0,5kg S oder 1,Okg SO2. Von den 169,6 Tonnen SO2 pro Jahr werden ca. 60% zu Schwefelsäure umgesetzt (H2SO4). Auch die Schwefelsäure geht in der Umgebung als saurer Regen nieder. Daneben wer- den tonnenweise Kohlenwasserstoffe und ca. 350 verschiedene organische Verbin- dungen freigesetzt, deren toxische Wirkungen bisher nicht untersucht wurden. Durch den ständigen Säureeintrag wird sich die Bodenstruktur verändern, die Böden versäu- ern, Wälder, Biotope und Pflanzen geschädigt. Die Wasserqualität der Gewässer wird gleichermaßendurchdensaurenRegenverändert.DieRollevonFeinstaubindenEmis- sionen von Triebwerken ist gegenüber der anerkannten gesundheitsschädigenden Be- deutung im Straßenverkehr bisher unterschätzt worden. Während im Zentrum Berlins mit Fahrverbotszonen und Umweltplaketten Einfluss auf die Feinstaubkonzentration genommen wird, ist die Größenordnung der Feinstaub-Emission im Take-off & Landing-Modus um den BBI Schönefeld bisher nicht untersucht worden (siehe Info- kasten: Beispiel des Benzols).9 Abb. 8a Abb. 8b ANZEIGE Kaltluftzufuhr ökosystem Müggelsee