Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

fa0411

Neulich war ich mal beim Arzt. Nichts Schlimmes, Gott sei Dank. Nach einem kurzen Hallo verschwindet das Gesicht des Medicus hinter seinem übergroßen Flatscreen-Monitor. Mir blicken nur noch die leeren USB-Eingänge, Strom- und Verbindungskabel entgegen. Der Arzt verschwindet in der Abdeckung seines elektronischen Schützengrabens. Meine Daten werden durch zeitaufwendiges Geklicke hochgefahren. Ich ahne, dass der Arzt offenbar mehr von der Bedienung der Elektronik absorbiert ist als von seinem Patienten. „Tolles Programm, zugleich kann während der Sprechstunde bereits die Abrechnung eingegeben werden.“ Na, wenn das kein Fortschritt ist. Ich sehe den Arzt nicht, der Arzt sieht mich nicht, der Blickkontakt reißt ab. Informationszeitalter offenbar.Eigentlich schade, denke ich, vielleicht ist da doch etwas schiefgelaufen. Intuitiv ist mir längst klar – hier bist du falsch. Von der Suche nach Zeichen, Hinweisen im Gesicht seines Gegenübers, dem Ausfahren einer „Antenne“ zum Einfangen von Stimmungen, keine Spur. Das Irrationale in der Medizin, und eigentlich auch das Elementare, ist einfach mal über Bord gegangen. Welch ein Irrtum, denn die Medizin ist bei allem Fortschritt keine reine Naturwissenschaft. Wach bleiben und auch mal seinen Sinnen vertrauen!

Editorial _ face I I 03face4_2011 _Neulich war ich mal beim Arzt.NichtsSchlimmes,GottseiDank.NacheinemkurzenHallover- schwindetdasGesichtdesMedicushinterseinemübergroßenFlatscreen-Monitor.Mirblickennur nochdieleerenUSB-Eingänge,Strom-undVerbindungskabelentgegen.DerArztverschwindetin der Abdeckung seines elektronischen Schützengrabens. Meine Daten werden durch zeitaufwen- digesGeklickehochgefahren.Ichahne,dassderArztoffenbarmehrvonderBedienungderElektro- nikabsorbiertistalsvonseinemPatienten.„TollesProgramm,zugleichkannwährendderSprech- stundebereitsdieAbrechnungeingegebenwerden.“Na,wenndaskeinFortschrittist.Ichseheden Arzt nicht, der Arzt sieht mich nicht, der Blickkontakt reißt ab. Informationszeitalter offenbar. Eigentlichschade,denkeich,vielleichtistdadochetwasschiefgelaufen.Intuitivistmirlängstklar – hier bist du falsch. Von der Suche nach Zeichen, Hinweisen im Gesicht seines Gegenübers, dem Ausfahren einer „Antenne“ zum Einfangen von Stimmungen, keine Spur. Das Irrationale in der Medizin, und eigentlich auch das Elementare, ist einfach mal über Bord gegangen. Welch ein Irrtum,denndieMedizinistbeiallemFortschrittkeinereineNaturwissenschaft.Wachbleibenund auch mal seinen Sinnen vertrauen! Anderes Thema. „Medizin ist eine soziale Wissenschaft und Politik ist Medizin im Großen“, hat RudolfVirchowgesagt.Könntesiesein–istsieabernicht.Vielesläuftheuteso,dassmansichdie- semSatzfolgend,einmischenmuss.GroßeInfrastrukturprojektewerdenheutenichttransparent projektiert, wesentliche Aspekte im Verborgenen gehalten und der überraschten Öffentlichkeit plötzlich präsentiert. Böse Zungen reden von einem Filz aus Lobbyismus und Politik. Wenn es dabei aber um erhebliche Gesundheitsrisiken für Millionen von Betroffenen geht, die keiner vorausblickend kalkuliert hat, muss die Medizin heraustreten aus den Behandlungsräumen oder Operationssälen und sich einmischen. Face to Face. Die face begeht mit dieser Ausgabe ihr 5-jähriges Jubiläum. Sie ist ein einzigartiges Medium für alle medizinischen und ästhetischen Aspekte des Gesichtes und für viele Themen darüber hinaus geworden. Ich gratuliere der OEMUS MEDIA AG zu diesem Heft und danke Frau Heike Isbaner und ihremTeamfürihreinnovativeKraftunddasFingerspitzengefühlbeiderGestaltungjedereinzel- nen Ausgabe. Macht weiter so! Prof. Dr. Hans Behrbohm Prof. Dr. Hans Behrbohm 5 Jahre face – Gratulation! Face to Face Alle mit Symbolen gekennzeichneten Beiträge sind in der E-Paper-Version der jeweiligen Publikation auf www.zwp-online.info mit weiterführenden Informationen vernetzt.