Wer an Alaska denkt, bedient sich häufig vieler Klischees: Im Winter kommt einem Jack London mit klirrender Kälte, Schnee und Eis sofort in den Sinn, wenn man nach Alaska im Sommer reist, wird man von jeder Seite her mit etwas süffisantem Lächeln „Ach, ihr macht eine Kreuzfahrt?“ beiseite geschoben. Beide Klischees kann man bedienen und sicherlich im Winter nach Alaska gehen und sich das berühmte Hunderennen Iditarod anschauen oder mit einem großen Kreuzfahrtschiff von Seattle über die Inside Passage bis nach Anchorage fahren. Man wird jedoch nichts anderes erleben als man aus einschlägigen Büchern ohnedies schon kennt und den wahren Charakter Alas-kas vollkommen verpassen...
standvorhandenwaren.DieReisezudenberühmten Gletschern der Inside Passage gerät mit einem solch kleinenSchiffzueinerdurchausabenteuerlichenEx- kursion, da man bis fast an die Gletscherwand her- anfahren kann, um den Gletscher aus nächster Nähe zusehen.UndwenneinStückEisvonderGrößeetwa 100 x 50 Meter abbricht, dann entsteht ein veritabler Tsunami,dereinsolches40MeterlangesBootdurch- ausdurchschüttelt.AuchwennmanmitKajaksdurch die Fjorde fährt, wird einem sehr schnell die Größe dieserkleinenEisbergebewusst.DieVeranstalterdie- ser Inside Passage-Safari heißen American Safari Cruises und spezialisieren sich auf diese sehr indivi- duellenReisen,bietenanBordeinMaximumanKom- fort mit hervorragendem Essen und, dies muss ge- sagt werden, zum Glück eine Passagiergruppe, die gut zusammenpasste. Das Schlimmste auf solch ei- nem kleinen Boot ist, dass sich Grüppchen bilden können, die dann zusammen keinen Spaß haben. Die neunTageaufdemSchiffvergingenwieimFluge,die Bilder sprechen für sich, und als wir zum Schluss in die Landeshauptstadt Juneau einfuhren, wurden wir von einem etwa 1.500 Passagiere fassenden Damp- fer überholt, der kurz vor uns am Dock anlegte und die 30.000-Seelen-Gemeinde Juneau sprichwörtlich überschwemmte. Juneau Ende August muss nicht unbedingt das Ziel einer Reise sein, die Attraktivität hältsichgelindegesagtinGrenzen,wirbefandenuns auch nur einen halben Tag dort, um dann unsere Rückreise nach Seattle anzutreten und damit den Heimflug nach Europa. _Reisefazit InSummeistAlaska,wennmanesaufeigenenFüßen erleben möchte, das klassische Land des Ruck- sacktouristen, mit wunderbaren Möglichkeiten, zwischendurch angenehmen Luxus zu genießen. Wichtig ist, die Erwartungen nicht zu hoch anzuset- zen wie man sie z. B. von Safaris in Afrika kennt, wo das individuelle Eingehen auf den Gast sehr viel hö- her ausgeprägt ist als dies in Alaska möglich ist. Dort wird sehr viel mehr auf den Durchschnittstouristen, den Massentourismus gesetzt und man sollte tun- lichst vermeiden, in diesen Strudel zu fallen, denn man verpasst auf diese Weise in jedem Fall die Ein- zigartigkeit des Landes._ I Lifestyle _ Reisebericht 64 I face2_2010
