Wer an Alaska denkt, bedient sich häufig vieler Klischees: Im Winter kommt einem Jack London mit klirrender Kälte, Schnee und Eis sofort in den Sinn, wenn man nach Alaska im Sommer reist, wird man von jeder Seite her mit etwas süffisantem Lächeln „Ach, ihr macht eine Kreuzfahrt?“ beiseite geschoben. Beide Klischees kann man bedienen und sicherlich im Winter nach Alaska gehen und sich das berühmte Hunderennen Iditarod anschauen oder mit einem großen Kreuzfahrtschiff von Seattle über die Inside Passage bis nach Anchorage fahren. Man wird jedoch nichts anderes erleben als man aus einschlägigen Büchern ohnedies schon kennt und den wahren Charakter Alas-kas vollkommen verpassen...
I 63face2_2010 Lifestyle _ Reisebericht I Eingang des Denali Nationalparks. Von dort wird man mit Schulbussen zu den einzelnen Lodges ver- teilt, die leider absolut kommerziell ausgestattet sind.Auchhiertrifftmanaufdie3-oder4-Tage-Re- gelung, eine individuelle Buchung für länger oder fürkürzerwirddefactonichterlaubt.Sehrtouristen- unfreundlich ist die tägliche Aktivitätsaufteilung in leicht,mitteloderschwer,ohnedasseinemdieMög- lichkeit gegeben wird, individuell etwas mit einem eigenen Führer zu machen. Desgleichen scheint entgegen klassisch-amerikanischer Gepflogenhei- tendieServicequalitätunddasEingehenaufindivi- duelle Wünsche von Gästen eher untergeordnet zu sein. Man ist einfach nicht darauf vorbereitet, dass ein Gast irgendetwas anderes wollen könnte als ei- nen Elch oder eine Bären zu sehen, und zwei Stun- den später wieder zufrieden abzureisen. Nichtsdestotrotz waren unsere Tage im Denali Na- tionalparkvonaußergewöhnlicherSchönheit,denn wirhattendasselteneGlück,zweikomplettsonnige Tage zu haben, die uns gerade zu Sonnenunter- gangszeiten ein faszinierendes Panorama der Mount McKinley-Kette boten. Um die beschwerli- che Fahrt mit den Bussen vom Eingang des Natio- nalparkes bis hin zum Wonder Lake als klassischem Endpunkt der Straße durch den Nationalpark nicht wieder zurückfahren zu müssen, bot sich die Mög- lichkeit,miteinemKleinflugzeugausdemParkwie- der zurück zum Eingang zu fliegen, von wo wir den Panoramazug zurück nach Anchorage bestiegen, der mit gemütlichen 30 bis 40 Kilometern in der Stunde die Landschaft durchschlängelte. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Himmel etwas verhangen, sodass die umliegende Bergwelt im Ne- bel verschwand. Zurück in Anchorage blieben wir er- neut im Hotel James Cook, um am nächsten Tag in Richtung Juneau abzufliegen. _Inside Passage Dort bestiegen wir unseren kleinen Dampfer (insge- samt zehn Passagiere) für eine sehr aufregende und individuelle Reise durch die Inside Passage für eine Dauer von insgesamt neun Tagen. Das Faszinierende hierbei ist, dass nur mit diesen kleinen Booten wirk- lich auch ganz stille abgelegene Buchten erreicht werden können. Was mich beeindruckte war, dass trotzderrelativenUnerreichbarkeitdieserabgelege- nenBuchtenvollausgebauteWanderwege,Hinweis- schilder auf Flora und Fauna in erstklassigem Zu-
