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Wer an Alaska denkt, bedient sich häufig vieler Klischees: Im Winter kommt einem Jack London mit klirrender Kälte, Schnee und Eis sofort in den Sinn, wenn man nach Alaska im Sommer reist, wird man von jeder Seite her mit etwas süffisantem Lächeln „Ach, ihr macht eine Kreuzfahrt?“ beiseite geschoben. Beide Klischees kann man bedienen und sicherlich im Winter nach Alaska gehen und sich das berühmte Hunderennen Iditarod anschauen oder mit einem großen Kreuzfahrtschiff von Seattle über die Inside Passage bis nach Anchorage fahren. Man wird jedoch nichts anderes erleben als man aus einschlägigen Büchern ohnedies schon kennt und den wahren Charakter Alas-kas vollkommen verpassen...

I 61face2_2010 Lifestyle _ Reisebericht I Als Nächstes muss man entscheiden, ob man das Ganze organisiert durchführen möchte oder alles selbstorganisiert.VieleunsererReisenhabenunsge- lehrt, dass nur ein absolut spezialisiertes Reisebüro die Individualreise zusammenstellen sollte, die das OptimumfürunsereAnsprüchebietet.DasWichtigs- tebeieinemsolchenReisebüroist,dassderberatende Mitarbeiter zumindest selber vor Ort gewesen sein sollte. Leider sind diese Reisebüros in Deutschland sehrdünngesät.Fürunswarklar,dasswirBraun-und SchwarzbärenbeimLachsfischensehenwollten,des- gleichen war der Mount McKinley auf dem Pro- gramm, und als Abschluss wollten wir die Inside Pas- sage befahren, aber mit einem möglichst kleinen Boot, um alle möglichen kleinen Buchten auch ge- fahrlosansteuernzukönnen.DieOrganisationdieser Reisestelltesichalsnichtganzeinfachheraus,daver- schiedene Lodges zum Teil ein Jahr im Voraus ausge- bucht sind. Aus diesem Grund sollte man sich recht frühzeitigfürseineReiserouteentscheiden,undhier- bei ist es, wie bereits gesagt, wichtig, eine Organisa- tionvorOrtzuhaben,dennnurdasgewährt,dassman ein seinen Wünschen entsprechendes Zimmer und die entsprechende Lodge bekommt. _Redoubt UnsereReiseführtezunächstüberdieRedoubt-Lodge, die nur mit dem Wasserflugzeug zu erreichen ist und von Anchorage aus etwa 80 Kilometer westlich liegt. DieReiseninsHinterlandvonAlaskafunktionierenfast ausschließlich mit dem Wasserflugzeug, denn Seen und Flüsse sind überall und Straßen fast nirgends. Wasserflugzeuge in Alaska sind wie öffentliche Busse bei uns in Europa. Man löst sein Ticket, wird samt sei- nesGepäcksgewogen,meistensmitmagererGepäck- erlaubnis, und dann ohne Zeremonie von einem Ort zum anderen geflogen, die meisten Lodges haben Bootsanlagestege,womanausgeladenwirdundhofft, dassdieLodge-Creweinenempfängt.BeiRedoubtbe- grüßteunseinsehrfreundlichesEmpfangskomitee.Da Redoubt an einem wunderschönen See liegt, sind die einzelnen „Sehenswürdigkeiten” nur mit dem Boot zu erreichen. Dies ist bei Nieselwetter nicht immer unbe- dingterbaulich,abersoistnunmalAlaska,aufschönes WetterzuhoffenbringtindenseltenstenFällenetwas. Die Chalets in Redoubt sind supergemütlich mit ty- pisch indianischen Einrichtungsgegenständen, wun- derbarenHimmelbettenmiteinemholzbefeuertenKa- nonenofen(auchimAugustwirdesnachtssoetwa10 bis15GradundeinnettesFeuervordemZubettgehen fördert die Schlafwilligkeit). Man denkt, Alaska liege sehr, sehr nördlich und spekuliert auf fast 24-stündi- ges Sonnenlicht. Dem ist nicht ganz so, sodass also auch hier dunkle Nächte durchaus zum wohligen Schlaf beitragen. Unsere Zeit in Redoubt war auf drei Tagebegrenzt,dennauchhieristdierelativeInflexibi- lität der einzelnen Lodges so, dass man meistens nur bestimmte Tageskontingente buchen kann, wobei in der Regel der einfache Aufenthalt, sprich drei Tage, vollkommen ausreicht. Es sei denn, man ist so fisch- vernarrt,dassmanHunderteKilovonLachsenausdem See herausholen möchte. Die von uns erwünschten BegegnungenmitdenBärenfandenfastnuraneinem Ort statt, an dem die Lachse stromaufwärts schwam- men, dort waren absolut hautnahe Begegnungen im Abstand von fünf, sechs Metern vom Boot an der Ta- gesordnung.DieLachsewarensogeschwächtvonder langen Reise, dass die Bären sie mit ihren Tatzen ein- fach aus dem Wasser fischten, ohne auch nur die ge- ringste Notiz von uns und unserem Boot zu nehmen. EinbesonderesHighlightwährendderZeitinRedoubt wardieFahrtmiteinemkleinenMotorbootstromauf- wärtsinRichtungeinesGletschers,derallerdingsnicht mit dem Boot zu erreichen war, aber wir fuhren auch hier durch zum Teil nicht unerhebliche Eisfelder, die wohlgemerkt auch im August nicht komplett weg- schmolzen.

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