In jeder Profession können Fehler auftreten – Fehler sind menschlich. Diese Einsicht ist besonders schwer, wenn Menschen in ihren Berufen Verantwortung für weitere menschliche Leben haben. In der Medizin, im Luftverkehr oder in Kernkraftwerken können die kleinsten Fehler verheerende Folgen haben. Aus diesem Grund werden Fehler in der (Zahn-)Medizin ungern gesehen … und mindestens genauso ungern zugegeben...
Kollege genauso gehandelt hätte und was er für Al- ternativen sieht. Zusätzlich möchten sie ihn vor ähnlichen Fehlern bewahren (Kaldjian LC, Forman- HoffmanVL,JonesEW,WuBJ,LeviBH,RosenthalGE, 2008, Do faculty and resident physicians discuss their medical errors? J Med Ethics). In einer neuen Veröffentlichung fordert Leape explizit, dass Fehler nichtalsVersageneinesEinzelnengeahndetwerden sollten, sondern als Fehler eines Systems. Es liegt seltenaneinerPersonalleine,sondernresultiertaus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren und Team- mitglieder. Voraussetzung für die Analyse sei eine gerechte Fehlerkultur (Just Culture) ohne Angst vor Bestrafung.Verschwiegenheitführtdazu,dassFeh- lerwiederholtauftreten,weshalbTransparenznötig ist (Leape LL, 2009, Errors in medicine. Clin Chim Acta).Eshatsichaberauchgezeigt,dassFehlerana- lysen über den engeren Kollegenkreis nicht hinaus- gehen, was hauptsächlich an zwei Ursachen liegt: Erstens trauen sich viele Ärzte und Teammitglieder nicht, ihre Fehler vor Fremden zuzugeben. Zweitens mangelt es in der (Zahn-)Medizin noch an hilfrei- chen Plattformen, um Fehlerdiagnosen öffentlich für alle Kollegen zugängig zu machen. _Fehlerquellen Die Fehlerquellen sind mannigfaltig und sollten sys- tematischeingegrenztwerden(nach„AusFehlernler- nen“ vom Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.). _ Patientenfaktoren betreffen den individuellen Krankheitszustand des Patienten, die Möglichkei- tenderverständlichenKommunikationoderauch die Persönlichkeit. Nicht jeder ist in der Lage, sein Befinden nachvollziehbar zu erläutern. _ Die ärztliche Tätigkeit erfordert klare Strukturen, Protokolle, die Kontrolle von Untersuchungser- gebnissen und das Vorhandensein von Entschei- dungshilfen. Besteht hier Unsicherheit, kann es besonders unter Stress zu Fehlleistungen kom- men. _ Die Mitarbeiter besitzen unterschiedliche Fähig- keiten und Kompetenzen. Psychische und physi- sche Einschränkungen oder Stärken müssen im Arbeitsablauf berücksichtigt werden. _ Das Team profitiert von reibungsarmer verbaler und schriftlicher Kommunikation. Je nach Enga- gement finden Supervisionen statt, sodass die Aufgaben und Strukturen klar erkennbar sind. _ Die Arbeitsbedingungen beinhalten Aspekte wie Personalausstattung, Arbeitsbelastung, Lärm und Erholungsmöglichkeiten. _ In der Organisation müssen Finanzen, Vorschrif- ten, Ziele und Prioritäten geklärt sein. _ Die Institution muss transparent machen, in wel- chemökonomischenundgesetzlichenKontextsie steht und ob Verbindungen/Verpflichtungen zu externen Institutionen bestehen. InjederPraxiswerdenSchwerpunktezufindensein, dennoch empfiehlt es sich, von Zeit zu Zeit alle Be- reiche zu überprüfen. _Fehleranalyse Nach neueren Regeln des Qualitätsmanagements wird die Erkennung und Nutzung von Fehlern und Beinahefehlern zur Einleitung von Verbesserungs- prozessen gefordert. Die Meinung, dass Fehler mit Bestrafungen und Sanktionen geahndet werden, sitzt in vielen Köp- fen. Leider wird auch noch häufig so gehandelt. Nicht erläutert wird im Qualitätsmanagement der Umgang mit den Verursachern. Solange derjenige, der mutig seine Fehler anspricht, dafür bestraft Spezial _ Psychologie I I 51face2_2010
