Die moderne Gesellschaft hat ein stetig wachsendes und immer konkreteres Ästhetikbedürfnis im dentofazialen Bereich. Eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung kann sowohl zum ästhetischen Ergebnis als auch zur Vorbereitung für eine andere Fachdisziplin für eine mögliche Rehabilitation des stomatognathen Systems – wie z.B. eine -prothetische Versorgung – beitragen. Bei Patienten mit skelettal offenem Biss und in Relation zum Obergesicht verlängertem Untergesicht sowie erschwertem Mundschluss kann die Verbesserung der Vertikalen durch eine Oberkieferimpaktion erreicht werden. Dadurch kommt es zu einer Harmonisierung der Gesichtsproportionen. Ein elementares Behandlungsziel in der Kieferorthopädie ist die Verbesserung der dentofazialen Ästhetik. Deshalb ist es in vielen Fällen erforderlich, dass mehrere Fachdisziplinen der Zahnheikunde – wie z.B. Parodontologie, Kieferorthopädie, Kieferchirurgie und Zahnerhaltung bzw. Prothetik – an einer Behandlung beteiligt sind, um ein möglichst optimales Resultat hinsichtlich der Funktion, der Ästhetik, der Stabilität und der Zufriedenheit des Patienten zu erreichen.
I Fachbeitrag _ Kieferchirurgie/Kieferorthopädie 46 I face2_2010 sches Profil in der Sagittalen erkennen. Das Mund- profil ist harmonisch bei entspanntem Lippen- schluss (Abb. 11a–c). Bei der manuellen Funktionsanalyse wurde eine physiologische Distanz zwischen der habituellen Interkuspidation und der Zentrik festgestellt. Es la- gen keine Kiefergelenkschmerzen mehr vor (siehe Tabelle). Die FRS-Aufnahme zeigt die Änderungen der Para- meter (Abb. 12a, b, Tabelle). Aufgrund der operati- ven Impaktion und posterioren Schwenkung der MaxillahatsichdieNeigungderOberkieferbasisum 2° vergrößert. Durch diese und die anschließende AutorotationderMandibulaistderInterbasenwin- kelum5°kleinergeworden.ImpaktionundAutoro- tation führten zu einer Verkleinerung der anterio- ren Gesichtshöhe, sodass es zu einer Vergrößerung undsomitzueinerHarmonisierungdesVerhältnis- ses PFH/AFH (64%) kam. Bei der vertikalen Einteilung des knöchernen und Weichteilprofils zeigt sich eine Harmonisierung. Die Disharmonie im unteren Gesichtsdrittel wurde korrigiert, sodass das Verhältnis Sn-Stms zu Stms-Me’ 1 : 2 (33% : 67%) betrug. Die Überlagerung der FRS-Aufnahmen in den Punkten S-N-S zeigt die skelettalen und Weichteil- veränderungen in der Sagittalen und Vertikalen (Abb. 13). Kontrolliert man die Lage des Pogonions in der Sagittalen, stellt man fest, dass die Strecke zwischen diesem und dem Ausgangszustand rela- tiv größer ist als die operative Verlagerungsstrecke des Unterkiefersegmentes. Dies kommt durch die Autorotation der Mandibula nach erfolgter Maxil- laimpaktion zustande, was zu einer Teilkorrektur derdistalenOkklusiongeführthat.19–21, 23 Diedenta- lenVeränderungenimSeitenzahngebietinderVer- tikalen und zum Teil in der Sagittalen sind ebenso auf die Auswirkung der Impaktion der Maxilla und die Autorotation der Mandibula zurückzuführen. InÜbereinstimmungmitdenErgebnissenvonRad- ney und Jacobs34 bezüglich der kranialen Verlage- rung des Pronasale, den Nachuntersuchungen von Collins und Epker12 und Rosen36 bezüglich der An- hebung der Nasenspitze bei der Impaktion der Ma- xilla, traten diese beiden Effekte bei der vorgestell- ten Patientin ein. Diese Ergebnisse wurden von an- deren Autoren1–4,11,15, 22, 24–26 und besonders von De Assis et al.16 und Lee et al.27 unabhängig voneinan- der bestätigt. Das OPG (Abb. 14) zeigt die Situation nach der pro- thetischen Versorgung und vor der Entfernung des Osteosynthesematerials(MiniplattenfürdenOber- kiefer und Positionierungsschrauben für den Unterkiefer)._ Literaturliste beim Verlag erhältlich. Abb. 12a Abb. 12b Abb. 13 Abb. 12a, b_ Kephalometrische Aufnahme nach Behandlungsende; die skelettalen (a) und Weich- teilstrukturen (b) in der Vertikalen wurden harmonisiert. Abb. 14 Abb. 13_ Überlagerung der kephalo- metrischen Aufnahmen vor und nach der Behandlung. Abb. 14_ Orthopantomogrammauf- nahme nach Ende der Behandlung. Prof.Dr.med.dent. Nezar Watted Wolfgangstraße 12 Bad Mergentheim E-Mail: nezar.watted@gmx.net face_Kontakt Pretreatment Posttreatment Impaktion Kranial Autorotation ventral
