Die moderne Gesellschaft hat ein stetig wachsendes und immer konkreteres Ästhetikbedürfnis im dentofazialen Bereich. Eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung kann sowohl zum ästhetischen Ergebnis als auch zur Vorbereitung für eine andere Fachdisziplin für eine mögliche Rehabilitation des stomatognathen Systems – wie z.B. eine -prothetische Versorgung – beitragen. Bei Patienten mit skelettal offenem Biss und in Relation zum Obergesicht verlängertem Untergesicht sowie erschwertem Mundschluss kann die Verbesserung der Vertikalen durch eine Oberkieferimpaktion erreicht werden. Dadurch kommt es zu einer Harmonisierung der Gesichtsproportionen. Ein elementares Behandlungsziel in der Kieferorthopädie ist die Verbesserung der dentofazialen Ästhetik. Deshalb ist es in vielen Fällen erforderlich, dass mehrere Fachdisziplinen der Zahnheikunde – wie z.B. Parodontologie, Kieferorthopädie, Kieferchirurgie und Zahnerhaltung bzw. Prothetik – an einer Behandlung beteiligt sind, um ein möglichst optimales Resultat hinsichtlich der Funktion, der Ästhetik, der Stabilität und der Zufriedenheit des Patienten zu erreichen.
Fachbeitrag _ Kieferchirurgie/Kieferorthopädie I I 45face2_2010 ferautorotationssplint und Zielsplint), wurde am Oberkiefer eine Le Fort-I Osteotomie durchgeführt. Durch die Autorotation des Unterkiefers wurde ein Teil der Distallage korrigiert. Der Rest der Korrektur der Klasse II-Okklusion erfolgte durch die operative Unterkiefervorverlagerung mittels sagittaler Spal- tung nach Obwegeser-Dal Pont.13,14,31–33 Die opera- tive Ventralverlagerungsstrecke betrug rechts 6mm undlinks2mmmiteinemSeitenschwenkvon4,5mm nach links. Die zentrische Kondylenpositionierung während der Dysgnathieoperation ist in der Würz- burger Klinik ein standardisiertes Verfahren zur Auf- rechterhaltung der räumlich korrekten Stellung der Kondylen.29, 30 III. Orthodontie zur Feineinstellung der Okklusion Dabei ist der frühestmögliche Einsatz der ortho- dontischenKräfteentscheidendfürderenWirkung, da die angestrebten orthodontischen Zahnbewe- gungen einfacher durchzuführen sind. Entsprechend beginnt nur wenige Tage nach der Operation die postchirurgische orthodontische Behandlungsphase.38, 41 Es wurden up-and-down Gummizüge eingesetzt. Zur Orientierungshilfe der Muskulatur an die neue Lage des Unterkiefers wurden zusätzlich leichte Klasse II-Gummizüge eingehängt. IV. Retention zur Sicherung des erreichten Ergebnisses Bei einer Unterkiefervorverlagerung ist die Um- stellung und Umorientierung der betroffenen Weichteile nötig. Eine Vorverlagerung führt zu ei- ner Streckung und Belastung der Weichteile und des suprahyoidalen Komplexes, was als rezidiv- fördernd bei Klasse II-Dysgnathien anzusehen ist.9,17,18, 38, 39, 41 Bei großer operativer Verlagerungs- strecke und Patienten mit tendenziell verspannter bzw. kurzer Muskulatur im suprahyoidalen Bereich unterstützt eine perioperative, physiotherapeuti- scheBehandlungdieRehabilitationundNeuorien- tierung der Muskulatur. Um die Muskulatur bei der Adaption zu unterstüt- zen,empfiehltsichalsRetentionsgeräteinbimaxil- läresGeräte–wiez.B.derBionator.AmTagderEnt- bänderung wurde dieser angefertigt und einge- setzt. Zweieinhalb Monate nach Abschluss der kieferor- thopädischen Behandlung wurde die prothetische Versorgung eingeleitet. Die Patientin bekam einen festsitzenden Zahnersatz von 35–43 mit zwei ver- blockten Kronen an den Zähnen 46 und 47 und einem Anhänger als Ersatz für den Zahn 45. DerdentoalveoläreDefektimBereichderUnterkie- ferfrontzähne(33,32,31,41)wurdeduchKeramik- massemitgingivaähnlicherFarbeersetzt.EineKno- chenaugmentation zur Beseitigung des Alveolar- defektes war wegen des erschwerten primären Verschlusses kontraindiziert; außerdem hatte die Patientin eine Augmentation abgelehnt. _Ergebnisse und Diskussion Die intraoralen Bilder zeigen die Endsituation vor undnachderprothetischenVersorgung(Abb.9a–e, Abb. 10a–d). Es wurden neutrale Okklusionsver- hältnisseaufbeidenSeitenundharmonischeZahn- bögen hergestellt. Die extraoralen Aufnahmen las- sen eine harmonische Gesichtsdrittelung in der Vertikalen, die durch die operative Verkürzung des Untergesichtes erreicht wurde, und ein harmoni- _KephalometrischeAnalyse Proportionen der Weichteilstrukturen vor und nach Behandlung Parameter Mittelwert vor Behandlung nach Behandlung (Zentrik) G’-Sn/G’-Me’ 50% 43% 48% Sn-Me’/G’-Me’ 50% 57% 52% Sn-Stms 33% 30% 33% Stms-Me’ 67% 70% 67% Skelettale Analyse: Durchschnittswerte bzw.Proportionen skelettaler Strukturen vor und nach Behandlung Parameter Mittelwert vor Behandlung nach Behandlung SNA (°) 82° 78° 78,5° SNB (°) 80° 70° 75° ANB (°) 2° 8° 3,5° WITS-Wert (mm) ± 1mm 4mm 1mm Facial-K. 2mm 7,5mm 2,5mm ML-SNL (°) 32° 39° 36° NL-SNL (°) 9° 6° 8° ML-NL (°) 23° 33° 28° Gonion-< (°) 130° 121,5° 125° SN-Pg (°) 81° 71° 76° PFH/AFH (%) 63% 60% 64% N-Sna/N-Me (%) 45% 40% 45% Sna-Me/N-Me (%) 55% 60% 55% Abb. 11bAbb. 11a Abb. 11c Abb. 11a–c_ Extraorale Aufnahmen nach Abschluss der Behandlung; ansprechendes dentofaziales Erscheinungsbild.
