Die moderne Gesellschaft hat ein stetig wachsendes und immer konkreteres Ästhetikbedürfnis im dentofazialen Bereich. Eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung kann sowohl zum ästhetischen Ergebnis als auch zur Vorbereitung für eine andere Fachdisziplin für eine mögliche Rehabilitation des stomatognathen Systems – wie z.B. eine -prothetische Versorgung – beitragen. Bei Patienten mit skelettal offenem Biss und in Relation zum Obergesicht verlängertem Untergesicht sowie erschwertem Mundschluss kann die Verbesserung der Vertikalen durch eine Oberkieferimpaktion erreicht werden. Dadurch kommt es zu einer Harmonisierung der Gesichtsproportionen. Ein elementares Behandlungsziel in der Kieferorthopädie ist die Verbesserung der dentofazialen Ästhetik. Deshalb ist es in vielen Fällen erforderlich, dass mehrere Fachdisziplinen der Zahnheikunde – wie z.B. Parodontologie, Kieferorthopädie, Kieferchirurgie und Zahnerhaltung bzw. Prothetik – an einer Behandlung beteiligt sind, um ein möglichst optimales Resultat hinsichtlich der Funktion, der Ästhetik, der Stabilität und der Zufriedenheit des Patienten zu erreichen.
I Fachbeitrag _ Kieferchirurgie/Kieferorthopädie Vertikalenautorotieren;dabeiwareineVerlagerung des Pogonion nach ventral und gleichzeitig nach kranial zu erwarten (Abb. 7).19-21, 23, 37, 44 Zur vollstän- digen Korrektur der sagittalen Dysgnathie war zu- sätzlich eine Unterkiefervorverlagerung geplant. Die Behandlung teilte sich in vier Phasen: I. Kiefergelenkbehandlung II. Kieferorthopädisch-kieferchirurgischeBehand- lung III. Retention IV. Prothetische Versorgung. _Therapie- durchführung Der Behandlungsablauf ent- sprach dem Würzburger Be- handlungskonzeptfürkombi- niert kieferorthopädisch- kie- ferchirurgische Fälle und be- standausvierPhasen:38,39,41 I. Präoperative Maßnah- men und orthodontische Vorbereitung 1) „Schienentherapie“: Für fünf Wochen wurde eine plane Aufbissschiene ein- gesetzt, um einerseits die physiologische, zentrische Kondylenposition zu ermitteln und andererseits die Kiefergelenkbeschwerden zu therapieren. Dadurch konnte der Zwangsbiss in seinem ganzen Ausmaß dargestellt werden.7, 10 Unterlagen mit einer fal- schen Kondylenposition (wegen des Zwangsbisses) hätten zu einer falschen Diagnose, Behandlungs- planung und nicht zuletzt Behandlungsdurchfüh- rung mit entsprechender Auswirkung auf das Er- gebnis geführt.38, 41, 42, 43 2) Orthodontie zur Ausformung und Abstimmung der Zahnbögen aufeinander und Dekompensation der skelettalen Dysgnathie. Entscheidend bei der Vorbereitung war die Protrusion und das Torquen der Oberkieferfront nicht nur zur Auflösung des Engstandes,sondernauchhinsichtlichderdurchzu- führenden Operation, bei der die Maxilla impaktiert und nach posterior rotiert wird. Diese Maßnahme führtzueinersteilerenStellungderOberkieferfront, was bei der Vorbereitung berücksichtigt werden muss. Deshalb konnte die labiale Achsenneigung der Oberkieferfront vor der Operationtoleriertwerden.Zur orthodontischen Behandlung wurde eine Multiband-Appa- ratur (22er Slot-Brackets) ver- wendet. 3) „Schienentherapie“ zur Er- mittlung der „Zentrik“ drei bis vier Wochen vor dem operati- ven Eingriff. Ziel ist die Regis- trierung des Kiefergelenkes in seiner physiologischen Posi- tion (Zentrik)42, 43 (Abb. 8). II. Kieferchirurgie zur Korrektur der skelettalen Dysgnathie Nach Modelloperation, Festle- gung der Verlagerungsstrecke und Herstellung der Splinte nach dem in Würzburg ver- wendetenSystem(Vier-Splint- System: Ausgangssplint bzw. Registrierungssplint, Oberkie- ferimpaktionssplint, Unterkie- 44 I face2_2010 Abb. 8 Abb. 9a Abb. 9e Abb. 10a Abb. 10d Abb. 7 Abb. 6a Abb. 6b Abb. 6a, b_ Kephalometrische Durchzeichnung der Aufnahme vor Beginn der Behandlung; es liegt eine skelettale (a) und Weichteildisharmo- nie (b) in der Vertikalen vor. Abb. 7_ Simulation der chirurgi- schen Impaktion der Maxilla und der folgenden Reaktion der Mandibula im Sinne einer Autorotation nach kranial und gleichzeitig nach ventral. Abb. 8_ Eingegliederte plane Aufbissschiene vier Wochen vor der Operation zur Ermittlung der Zentrik. Abb. 9a–e_ Intraorale Aufnahmen nach chirurgischer Bisslage und postoperativer Feineinstellung der Okklusion. Abb. 10a–d_ Intraorale Aufnahmen nach der prothetischen Versorgung. Abb. 9b Abb. 9c Abb. 9d Abb. 10b Abb. 10c
