Eine 42-jährige Simultanübersetzerin stellte sich aufgrund einer ausgeprägten parodontalen Erkrankung in unserer Praxis vor. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere parodontale Therapien durchgeführt. Die alio loco ausgesprochene Empfehlung war die Entfernung aller Zähne und nach Ausheilung der Parodontitis und einer Übergangsphase mithilfe einer herausnehmbaren Prothese die verzögerte Implantation mit nachfolgender prothetischer Versorgung. Die Patientin fürchtete phonetische Probleme im Rahmen der Umstellung auf einen herausnehmbaren Zahnersatz im Oberkiefer und daraus resultierend eine länger-fris-tige Arbeitsunfähigkeit. Wir empfahlen der Patientin eine Sofortimplantation nach Zahnextraktion. Basierend auf einer transdentalen NobelGuideTM Planung sollte die Implantation mit NobelActiveTM Implantaten erfolgen.
_ ParodontaleVorbehandlungmittelsantimikrobiel- ler fotodynamischer Therapie (Photolase®; Abb. 4a) _Zahnextraktion in der Maxilla (Abb. 4a), _Sinuslift auf beiden Seiten (Abb. 4c), _Transdentale NobelGuideTM Planung (TdGIP inklu- sive Implantation) (Abb. 3a bis c). _Sofortbelastung mittels einer Parodontalbrücke (PerioBridge; Abb. 6a, b). Drei Wochen später Transfer von der Parodontal- brücke und Ersetzen des Immediatersatzes durch NobelProceraTM Kronen und Brücken (Abb. 8a bis d). _Durchführung Nach Durchführung der dreidimensionalen Daten- erhebung mittels Computertomografie erfolgte die Datenkonversion in der NobelGuideTM Planungs- software.InsgesamtwurdenzehnImplantateandie StellederortsständigenZähnegeplant.Dieradiolo- gische Differenzierung zwischen Zahn und Kno- chenhartsubstanz erfolgte mithilfe der Hounsfield Funktionen. Wenn möglich, wurde die klinische Zahnachse imitiert. Es konnte so eine korrekte Im- plantatposition in der X-Y-Achse gewährleistet werden. Die vertikale Dimension (Z-Achse) wurde extrapoliert durch Antizipation der klinischen Kro- nenhöhe. ImRahmenderOperationerfolgtenunzunächstdie lasergestützte Parodontalbehandlung mithilfe des Photolase®-Verfahrens(Abb.4a).Dieanschließende Zahnentfernung im Bereich der Maxilla wurde ge- folgt von einer Konditionierung des zervikalen Epi- theliums unter Einsatz des Erbium-Chromium- YSGG-Lasers (Millennium Waterlase, Firma Biolase; Abb.4d).DanachwurdedieNobelGuideTM Schablone intraoralfixiert.DieLagefixierungderNobelGuideTM Schablone erfolgte mit vier Ankerpins (Anchorpins, Fa. Nobel Biocare) von palatinal bzw. vestibulär. Auf der rechten Seite wurde ein Sinuslift durchgeführt (Abb. 4c). Bei Benutzung der NobelGuideTM Schab- lone wurden zehn Implantate in den Kiefer inseriert (Abb. 4b). Die folgenden Implantatgrößen wurden eingesetzt: RP 4,3 x 13 mm in der Region 011, 022, 023, 014; NP 3,5 x 13 mm in Region 012, 022; RP5,0x13mminRegion015,024und025.Insgesamt wurdenFestsetzungsdrehmomentezwischen45und 65 Ncm erreicht. Die Sofortbelastung der Implantate erfolgte nach individueller Implantatabformung mittels präfabrizierter PerioBridge. Als Verbindungs- stücke wurden konfektionierte Narrow Profile Abut- ments (RP und NP 9 mm) verwendet (Abb. 4d). _Prothetische Rehabilitation Unmittelbar nach Implantatinsertion erfolgte die Abformung (Abb. 5) mit herkömmlichen Abform- pfosten als geschlossene Abformung. Danach wur- den Narrow Profile Abutments eingegliedert und diese mittels PerioBridge sofortbelastet (Abb. 6a, b). Die finale prothetische Versorgung wurde mithilfe von sechs NobelProceraTM Brücken auf Nobel ProceraTM Abutments in den Regionen 013 bis 023 etwa drei Wochen durchgeführt (Abb. 7a bis d). Die noch nicht versorgten Implantate 014, 015 sowie 024 und 025 wurden mit NobelProceraTM Brücken verblockt und mit einer distalen Extension versorgt. Als Abutment im Molarenbereich wurde Titan ver- wendet (Abb. 8a bis d). Die komplette Suprakon- struktion wurde aus Vollkeramik hergestellt. _Ergebnis Die Sofortimplantation nach Zahnentfernung im Rahmen ausgeprägter parodontaler Erkrankungen und damit die sofortige festsitzende Zahnversor- gung post extractionem ist möglich. Es sind jedoch vorbereitende Maßnahmen zu ergreifen, um eine stabile Knochen- und Weichgewebssituation zu er- zielen. Die Kombination von modernen parodonta- len Therapie- oder Regenerationsmethoden wie zumBeispielderantimikrobiellenfotodynamischen Therapie (Photolase®), der YSGG-Waterlase Laser- therapie, vor allem aber die Perio-Stabilisierung mithilfe von Parodontalbrücken unmittelbar nach Extraktion, sichert das Ergebnis des angestrebten ästhetischenrot-weißenÜbergangs.Diecomputer- basierte transdentale Planung und die geführte Im- plantationseinbringung erlaubt eine vorhersagbare AusrichtungderImplantat-bzw.Kronenachse.Darü- ber hinaus ist eine Stabilisierung des parodontalen I 39face2_2010 Fachbeitrag _ Implantologie I Abb. 3bAbb. 3a Abb. 3c
