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Es ist sicher schwer, Verletzungen oder Zerstörungen des äußeren Erscheinungsbildes eines Menschen gegeneinander abzuwägen. Sicherlich ist aber der Gesichtsverlust, also die Zerstörung des formenden Weichteilmantels des Gesichtes, eine der schwerwiegendsten. Nicht umsonst versteht man auch im übertragenen Sinne „Gesichtsverlust“ als etwas Abstoßendes – Trennendes von der Gemeinschaft. Wie viel mehr gilt dies z.B. für ein verbranntes Gesicht. Der Mensch verliert im Kontakt mit seiner Umwelt meist jegliche Beziehung. Obwohl liebenswert und emotional der Gleiche wie vorher, wirkt er jetzt erschreckend und verunsichert das Verhalten der Kontaktperson.

Fachbeitrag _ rekonstruktive Chirurgie I I 37face2_2010 schluss in das Gesicht gebracht. Nach einigen Fein- korrekturen konnten wir ein akzeptables Ergebnis erzielen (Abb. 4a–g). Besondersschwierigwirdes,wennauchfunktionelle Strukturen, wie etwa der Augenschließmuskel oder der Verschlussmuskel für die Lippen, zerstört sind. Dies zeigt ein Beispiel eines russischen Jungen, bei dem alle Weichteile von Kampfhunden abgenagt wordenwaren.Nachfastzweijährigenvergeblichen Wiederherstellungsversuchen in Moskau kam der Junge zu uns. Das rechte Auge war einfach zugenäht worden. Auch hier formten wir eine Nase am Oberbauch vor. Dies war die einzige Region der Brust, die nicht durch die Vorbehandlungen verletzt worden war. Danach schlugen wir das ganze Gebiet auf das Ge- sicht. Wir konnten hierdurch eine Bedeckung errei- chen und auch eine Nase. Das Problem aber blieb: der nicht funktionierende Mundschluss. Deshalb war nur eine sehr kleine Mundöffnung als Lösung übrig. Anderenfalls würden alle Speisen bzw. der Speichel aus dem Mund fließen. Das gleiche Pro- blembestandamrechtenAuge.HierwareineHorn- hauttransplantation notwendig. Diese hat aber nur Erfolg, wenn das Auge durch einen Lidschluss ver- schlossen werden kann. Eine Funktion war nicht möglich,dakeinerleimuskuläreStrukturenvorhan- den waren (Abb. 5a-e). Hier ergibt sich, nach meiner Überzeugung, eine klare Indikation für eine Gesichtstransplantation. Nur dadurch können auch funktionelle Strukturen wie die Gesichtsmuskeln oder die Lidschließer wiederhergestellt werden. Ferner ist das ästheti- sche Ergebnis allen Rekonstruktionen weit über- legen. Wegen der Dauermedikation gegen die Absto- ßungsreaktiondesFremdgewebesbestehteindeut- lich erhöhtes Krebsrisiko. Diese bildet gerade bei jüngeren Menschen, mit noch langer Lebenserwar- tung, eine deutliche Limitierung solcher Transplan- tationen von Spendern. _Fazit Zusammenfassend ergeben sich folgende Schluss- folgerungen: Als Indikationen zur Präformierung sind deshalb be- sonders spezielle Regionen wie Nase, Augenhöhlen oder Ohren geeignet. Für eine reine Haut oder Weichteilwiederherstellung sind die Möglichkeiten einer geeigneten Eigengewe- beverpflanzung indiziert. Eine Indikation zur Transplantation von einem Spen- der besteht nach meiner Meinung besonders, wenn folgende Verluste bestehen: _ Sensibilität _ Muskelfunktion wie Lid- und Lippenschluss _ Mimik. DieRisikenderDauermedikationmüssenberücksich- tigt und dem Patienten deutlich mitgeteilt werden. Die von uns im Juni 2008 durchgeführte Doppelarm- transplantation und die inzwischen durchgeführten TeiltransplantationenvonGesichtsarealenzeigenwo dieZukunftliegt.Zurzeitbildenaberdieimmunologi- schen Probleme immer noch eine deutliche Limitie- rung._ Univ.-Prof. Dr. Edgar Biemer FRCS TUM emeritus of excellence PRAXISKLINIK CASPARI Maximilianstr.54 80538 München E-Mail: plast.chir@prof-biemer.de face_Kontakt Abb. 5a Abb. 5b Abb. 5c Abb. 5d Abb. 5e Abb. 6a Abb. 6b Abb. 6c Abb. 5a–e_ Gesichtsrekonstruktion nach Kampfhundangriff. Abb. 6a–c_ Vorbereitung für eventuelle Gesichtstransplantation.

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