Es ist sicher schwer, Verletzungen oder Zerstörungen des äußeren Erscheinungsbildes eines Menschen gegeneinander abzuwägen. Sicherlich ist aber der Gesichtsverlust, also die Zerstörung des formenden Weichteilmantels des Gesichtes, eine der schwerwiegendsten. Nicht umsonst versteht man auch im übertragenen Sinne „Gesichtsverlust“ als etwas Abstoßendes – Trennendes von der Gemeinschaft. Wie viel mehr gilt dies z.B. für ein verbranntes Gesicht. Der Mensch verliert im Kontakt mit seiner Umwelt meist jegliche Beziehung. Obwohl liebenswert und emotional der Gleiche wie vorher, wirkt er jetzt erschreckend und verunsichert das Verhalten der Kontaktperson.
Fachbeitrag _ rekonstruktive Chirurgie I Deshalb ist es eine überaus wichtige Aufgabe für ei- nen plastisch-rekonstruktiven Chirurgen nach Mög- lichkeiten zu suchen, nicht nur eine Abheilung der Wundenzuerreichen,sondernauchsoweitwiemög- lich das „Gesicht“ wiederherzustellen. Hier sind na- türlicherheblicheGrenzengesetzt,wennauchinden letztenJahrenneueTechnikendieMöglichkeitenwe- sentlich erweitert haben. Neue Entwicklungen im Rahmen der Gliedmaßen-Transplantation haben auchschonzuVerpflanzungenvonGesichtsteilenge- führt.Wegenderimmernochbestehendenimmuno- logischen Problematik und der risikoreichen Dauer- medikation zur Vermeidung der Abstoßung des Fremdgewebes möchte ich versuchen, Grenzen und Indikationen für die neuesten Rekonstruktionsmög- lichkeiten bei der Gesichtswiederherstellung aufzu- zeigen. _Grenzen und Indikationen Das individuelle Gesicht besteht aus Haut, Fettge- webe, Muskeln, Nerven und einer Gefäßversorgung. Dies umhüllt ein knöchernes Grundgerüst und umschließt die Öffnungen wie Augen, Nase, Mund, Ohren etc. Die Behaarung spielt nur eine unterge- ordnete Rolle und lässt sich auch leicht ersetzen. Die Muskeln sind nicht nur für das Mimikspiel ver- antwortlich, sondern sind besonders wichtig beim Mund- und Augenschluss. Daneben sind für das Angesicht die Augen in den Augenhöhlen mit Lidern sowie die komplexe Nase und die Ohren von großer Wichtigkeit. Aber gerade diefürdenGesamtausdrucksowichtigenRegionen sind wegen ihrer sehr feinen Modellierung be- sonders schwierig wiederherzustellen. Da meist mehrere Operationen notwendig sind, um etwa eine Nase zu modellieren, hat die Präfabrika- tion an besser versteckbaren Plätzen des Körpers eine wesentliche Verbesserung gebracht. Dieses Verfahren beruht darauf, dass entweder ein Gefäß- stielinRegionendesKörpersverlagertwird,woide- ale Voraussetzungen für den Aufbau bestimmter Gesichtsareale bestehen, oder dass in Gebieten mit bekanntem Gefäßstiel die Formung bzw. Implanta- I 35face2_2010 Abb. 2a Abb. 2b Abb. 2f Abb. 2e Abb. 2d Abb. 2c Abb. 2a–f_ Nasenrekonstruktion mit Gerüst.
