Die Rekonstruktion ausgedehnter Gesichtsdefekte ist eine chirurgisch-technische Herausforderung von besonderer sozialmedizinischer Bedeutung. Das Gesicht zu verlieren ist eine der Grundängste der Menschheit. Stigmatisiert zu sein und sich nicht mehr frei unter Menschen bewegen zu können, wird teilweise als schlimmer empfunden als der ursprüngliche Tumor oder Unfall. Daher ist eine möglichst kurzfristige Rekonstruktion für den Erfolg der Rehabilitation entscheidend. Hier ist die Epithese der Rekonstruktion mit Eigengewebe überlegen. Entscheidend für das gewählte Verfahren ist aber immer der Wunsch des Patienten...
I Fachbeitrag _ rekonstruktive Chirurgie/epithetische Versorgung 32 I face2_2010 chend eingefärbtem Silikon. Haare oder im Bereich der Orbita eine Augenprothese können eingearbei- tet werden. Dabei erreichen die Epithetiker durch hohe Präzision und Kunstfertigkeit verblüffend na- türliche Ergebnisse. Nach Stabilisierung und Ab- schwellen der Operationswunde kann ein Abdruck vom Wundgrund genommen werden. Für eine gute Passform ist dies ab drei Monate postoperativ möglich. Für die Fixierung im Gesicht gibt es verschiedene Möglichkeiten. Epithesen können mit hautfreund- lichem Kleber fixiert, an einer Brille oder mit Ver- ankerungssystemen im Knochen befestigt werden (Osseointegration).DieVerankerungimKnochenist heutederGoldstandardunddiesichersteundkom- fortabelste Lösung für den Patienten. Die abnehm- bare Epithese wird dann mittels Magneten oder gelegentlich auch Stegen auf den Verankerungs- systemen befestigt. _Osseointegration 1965 wurden zum ersten Mal Implantate bei zahn- losen Menschen in den Kiefer eingesetzt. 1977 prägteBrånemarkdenBegriffderOsseointegration, die perfekte, stabile Verbindung zwischen Knochen und Implantat ohne dazwischen gelagertes Binde- gewebe.1, 2 Gleichzeitig inserierte Tjellström, be- stärkt durch die guten Erfolge der Zahnmedizin, erstmals Titanimplantate im Warzenfortsatz zur perkutanenVerankerungvonHörgeräten.Seit1979 werden auch Gesichtsepithesen zum Ersatz verlo- ren gegangener Organe wie Ohr, Nasen oder Auge mittels Titanimplantaten fixiert.3 Wie in der dentalen Implantologie können in der kraniofazialen Epithetik ein einzeitiges Vorgehen sowie eine Zwei-Schritt-Technik unterschieden werden. Die Operationstechniken wurden von Tjell- ström und Federspiel beschrieben.4, 5, 7, 8, 9 BeimzweizeitigenVorgehenwirdnachInsertionder Implantate der zuvor präparierte Hautlappen über die Implantate zurückgelegt und die Wundränder miteinander durch Naht adaptiert. Nach einer Ein- heilphase von drei Monaten werden die Implantate freigelegt. Gleichzeitig wird der Lappen ausge- dünnt, um die Hygienefähigkeit zu verbessern und soeinerWeichteilinfektionvorzubeugen.NachEnt- fernen der Deckschrauben können die Distanzhül- sen fixiert werden. Der Hautlappen wird im Bereich der Implantat- durchtrittstellen gestanzt, ggf. können auch die WundränderumdieImplantateherumvernähtund ein Verband angelegt werden. Beim einzeitigen Vorgehen wird ein 5–6mm di- cker Hautlappen supraperiostal präpariert. Nach Schwipper wird dann zur Vermeidung von periim- plantären Granulationsgewebe Periost mit dar- überliegendemBindegewebeentfernt.6 NachInser- tion der Implantate wird die ausgedünnte Lappen- plastik zurückgelegt und die Wundränder durch Naht adaptiert. Die Abbildungen 1 bis 3 demonstrieren das Einbrin- gen von insgesamt drei kraniofazialen Implantaten nachAblatioaurisimBereichdesrechtenMastoids. Der zuvor gebildete retroaurikuläre Lappen dient der anschließenden Defektdeckung. Abbildung 4 zeigt eine postoperativ stabile und periimplantär reizfreie Wundsituation nach Freilegung und Steg- Abb. 6_ Ausgedehntes Basalioma terebrans mit Infiltration der linken Wange, der linken Orbita, der Nase, der linken Kieferhöhle und der linken Frontobasis. Abb. 7_ Kombination von Schrauben- implantaten am Supraorbitalrand und subperiostalem Trägerplattensystem (medialer Orbitalrand und Infraorbi- talrand). Abb. 8_ Maximale Verkleinerung des Resektionsdefektes durch lokale und regionale Lappenplastiken. Abb. 9_ Postoperativer Situs in der Profilansicht. Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb. 9 Abb. 10 Abb. 11 Abb. 12 Abb. 13 Abb. 10_ Stabil integriertes Epitec-Plattensystem nach Ablatio nasi, Frontalansicht. Abb. 11_ Stabil integriertes Epitec-Plattensystem nach Ablatio nasi, Profilansicht. Abb. 12_ Abgeschlossene epithetische Rehabilitation mit Nasenepithese, Profilansicht. Abb. 13_ Abgeschlossene epithetische Rehabilitation mit Nasenepithese, Frontalansicht.
