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Die Rekonstruktion ausgedehnter Gesichtsdefekte ist eine chirurgisch-technische Herausforderung von besonderer sozialmedizinischer Bedeutung. Das Gesicht zu verlieren ist eine der Grundängste der Menschheit. Stigmatisiert zu sein und sich nicht mehr frei unter Menschen bewegen zu können, wird teilweise als schlimmer empfunden als der ursprüngliche Tumor oder Unfall. Daher ist eine möglichst kurzfristige Rekonstruktion für den Erfolg der Rehabilitation entscheidend. Hier ist die Epithese der Rekonstruktion mit Eigengewebe überlegen. Entscheidend für das gewählte Verfahren ist aber immer der Wunsch des Patienten...

Fachbeitrag _ rekonstruktive Chirurgie/epithetische Versorgung I I 31face2_2010 _Die Rekonstruktion ausgedehnter Gesichtsde- fekte ist eine chirurgisch-technische Herausforde- rung von besonderer sozialmedizinischer Bedeu- tung. Das Gesicht zu verlieren ist eine der Grund- ängste der Menschheit. Stigmatisiert zu sein und sich nicht mehr frei unter Menschen bewegen zu können,wirdteilweisealsschlimmerempfundenals der ursprüngliche Tumor oder Unfall. Daher ist eine möglichst kurzfristige Rekonstruktion für den Er- folg der Rehabilitation entscheidend. Hier ist die Epithese der Rekonstruktion mit Eigengewebe überlegen. Entscheidend für das gewählte Verfah- ren ist aber immer der Wunsch des Patienten. Seitmehrals50JahrenfindenEpithesenzurRekon- struktion von Defekten an Ohr, Nase, Auge sowie übergreifenden Gesichtsteilen in unserer Klinik An- wendung. Die Erfahrung des gesamten Teams er- wuchsausderHerstellungüber6.000Epithesenseit 1935.Aktuellwerdenjährlich200Patientenepithe- tisch versorgt. Eine erfolgreiche Rehabilitation von Menschen mit komplexen Gesichtsdefekten umfasst wesentlich mehr als die Herstellung der Epithese allein. Team- arbeitallerBeteiligtenistdieVoraussetzungfüreine erfolgreiche Rehabilitation nach Tumorresektion mitentstellendenGesichtsdefekten.Diessindaußer denbehandelndenChirurgenbesondersdieEpithe- senabteilung (Anfertigung der Epithese) und die Abteilung für Psychoonkologie. Die Epithetiker sind hochspezialisierte Mitarbeiter, häufig mit einer zahntechnischen Ausbildung, die die Gesichtsepithese komplett als Abbild der Natur am Patienten herstellen. Die Möglichkeiten der epi- thetischen Rekonstruktion werden dem zukünfti- gen Patienten schon bei der ambulanten Vorstel- lunggezeigt.Nebeneinerengmaschigenpsychoon- kologischenBetreuungistdieseDemonstrationdes Rekonstruktionszielswichtigfürdiespätereerfolg- reiche Rehabilitation. Zusammen können der Chir- urg,derEpithetikerundderPsychoonkologebereits präoperativ Zuversicht vermitteln. Das Hauptziel der Behandlung ist Lebensqualität. _Herstellung der Epithese Die Epithese selbst wird individuell vom Anaplasto- logen (Epithetiker) hergestellt und besteht heute meist aus dem natürlichen Hautkolorit entspre- Lebensqualität in der rekonstruktiven Chirurgie – kraniofaziale epithetische Versorgung Autoren_Dr. Dr. Andreas Borst, Dr. Jan Dirk Wolff, Münster Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 1_ Präoperativer Situs: Histologisch gesichertes skleroder- miformes Basaliom mit Infiltration des Ohrknorpels. Abb. 2_ Zustand nach Ablatio auris und Insertion von drei Schrauben- implantaten. Abb. 3_ Primäre Defektdeckung mit einer Retroaurikularlappenplastik, zweizeitiges Vorgehen. Abb. 4_ Implantatfixierte Steggerüste mit reizfreien peri- implantären Verhältnissen. Abb. 5_ Rehabilitationsergebnis durch die implantatfixierte Epithese.

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