Betrachtet man unter dem Aspekt des Lebensalters ästhetisch-plastische Operationen, dann fällt auf, dass es hier kaum Mitteilungen über die Indikation bei älteren Patienten gibt. Die Frage lautete bisher auch nicht, bis zu welchem Alter ist es sinnvoll, bei älteren Patienten zu operieren, sondern sie lautete eher, ab wann darf ein junger Patient operiert werden? Das wird sich ändern...
Fachbeitrag _ Alterschirurgie I In den letzten 4,5 Jahren unserer operativen Tätig- keitwaren25 %unsererPatientenzwischen60und 80Jahrealt.Vonden886älterenPatientenzwischen 60und80Jahrenhattenfast27%eineimweitesten Sinne ästhetisch-plastische Indikation (Abb. 3). DieFrage,weristfürästhetisch-plastischeEingriffe zu alt, stellt sich also auch in der Praxis. Plant ein älterer Patient einen ästhetischen Eingriff gibt es Fragen, die der behandelnde Chirurg einmal gründlichfürsichselbstklärensollte,undsinddiese beantwortet,zurRoutinederAufklärungbeimälte- ren Menschen gehören (Abb. 4). Im Mittelpunkt steht der individuelle Nutzen der OperationfürdenPatienten.Dochgeradederistbei einem ästhetischen Eingriff schwer einzuschätzen. DerChirurgmusssichfragen,oberobjektiveineVer- besserungmiteinemästhetischenResultaterzielen kann. Dies setzt besonders bei der Beurteilung älte- rerPatientensehrvielErfahrungvoraus.Zumande- ren sind der subjektive Wunsch des Patienten und sein psychischer Hintergrund zu eruieren. Wenn eine 67-Jährige einen jüngeren Partner hat und ihr Erscheinungsbild dem Alter ihres Partners anglei- chen will, ist dies eine gute Indikation und Erfolg versprechend. Wenn die Veränderungen des Alters aber grundsätzlich abgelehnt werden und der Wunsch nach ewiger Jugend im Vordergrund steht, gibt es Probleme. BiswannzumBeispielisteinFacelifteineästhetische Verbesserung,oderabwannwirkteseherpeinlich? DieseFrageistfüreine65-Jährigeleichterzubeant- worten als für eine 75-Jährige. In höherem Alter mussmandieRisikenderinsAugegefasstenOpera- tion außerdem vermindern und sich eventuell auf ein isoliertes Problem konzentrieren, das den Pa- tienten am meisten stört. Größere Operationen und größere Risiken können so vermieden werden. Ist der individuelle Nutzen geklärt und der Weg da- hin in eine operative Prozedur umgesetzt, müssen verschiedene Fragen um die Operation herum noch geklärt werden. Dies sind die Komplikationen. Hier muss entschie- den werden, ob die Begleiterkrankungen eine Nar- koseüberhauptzulassenoderobnureinkleinerEin- griffinLokalanästhesiezulässigist.Diessolltemög- lichst zusammen mit einem Anästhesisten ent- schieden werden. Vielfach werden noch Begleit- erkrankungen durch die Voruntersuchungen erst festgestellt oder eine mögliche Verschlimmerung bei der Operation kann eintreten. Dies erfordert dann, auf den Eingriff zu verzichten. Die Lebensqualität nach der Operation ist die zen- trale Frage. Welche Risiken geht man ein? Und wenn sie eintre- ten, wie z.B. sichtbare Narben, innere Narben, sich nur langsam zurückbildende Blutergüsse, vorüber- gehendeNervenausfälleundvielesmehr,derenHei- lung lange dauern kann, ist dies für den Patienten zumutbar? Bedingt die damit verbundene Schon- haltung nicht auch noch eine zusätzliche Bewe- gungseinschränkung? IstbeieinemgelungenenEingriffdieLebensqualität für das Individuum wirklich höher? Zumindest der Zweifel sollte erwähnt werden, falls er besteht. IstdiePrognosebeieinemaltenMenschengenauso wie bei einem jungen? ZumindestanderechirurgischeFächerhabendiesin Studien bewiesen. Die Prognose und das Risiko der Operation sollte nicht höher sein als bei jungen Pa- tienten.AlsälterbezeichnenwirübrigensPatienten, die über 65 Jahre alt sind. I 29face2_2010 Abb. 4 _Fallbeispiel 1 Praxis Dres. Lampe/Wolters, Frankfurt am Main 1/2004 bis 6/2008 3848 1/2004 bis 6/2008 60- bis 80-Jährige 886 von den 886 60- bis 80-Jährigen hatten 237 eine ästhetische Indikation Abb. 3 “ “ ““ Ethik Autonomie LEBENSQUALITÄT Prognose “ Komorbidität Individueller Nutzen
