Grundlagen der Instrumentenkunde sind ein unverzichtbares Rüstzeug für jeden Operateur. Leider werden Kenntnisse zur Instrumentenkunde heute nicht mehr systematisch vermittelt – weder während des Studiums noch in der Ausbildung zum Facharzt. Warum werden in den Katalogen über 100 Scheren angeboten, wenn niemand mehr die Unterschiede in den Anwendungs- und technischen Eigenschaften kennt? Wie funktioniert eine Präparierschere und welche Blattform bietet welche Vorteile? Wie halte ich ein Skalpell richtig und kontrolliere gleichzeitig die Schneidwirkung bei der scharfen Präparation? Wie kontrolliere ich Schärfe und wie unterscheide ich Qualitätsinstrumente von Plagiaten und beuge einem unsachgemäßen Umgang vor? Das Anliegen der vorliegenden Publikation, die Auszüge einer Monografie des Autors enthält, gibt einige Antworten. Zumindest soll das Verständnis dafür geweckt werden, dass die Auswahl des geeigneten Instrumentariums nicht beliebig ist.
I Fachbeitrag _ Instrumentenkunde Schneidwirkung und halbscharfer Trennung der Schichten möglich. Generell erfordert die scharfe Präparation mit dem Skalpell mehr Geschick, Gefühl undErfahrungalsdiejenigemitderSchere.Esisteine sehr effiziente Technik. Cave:NureinescharfeKlingekannoptimalschneiden. Scharfe und glatte Schnitte sind die Voraussetzung für eine komplikationslose Wundheilung und gute Narben.WirddasSkalpellfürdieExzisioneinesHaut- areals verwendet, so sollte gegenüber der Vertikalen eine etwas schräge Schnittrichtung (ca. 95°) gewählt werden,umeineschrägzumKoriumunddemFettge- webeentstehendeWundlippezuformen.Dasermög- licht eine größere Wundrandadaptation und verbes- sert die Wundheilung. Das Skalpell sollte der Operateur immer auf sich zu führen. Der Schnitt beginnt also am entferntesten Punkt. Schneiden erfolgt durch Ziehen und nicht durch Schieben oder Sägen. _2. Sichelmesser und andere Messer Sichelmesser haben unterschiedliche Krümmungen. BereitsinderAntikewurdenSichelmesserfürdieTon- sillektomieverwendet.Heutedienensieverschiede- nen Schleimhautschnitten, z.B. bei der Tonsillekto- mieundderInfundibulotomie.IhregrößteSchneid- wirkung entwickeln Sichelmesser im Bereich der mittleren Schneide. Daher sollten sie so geführt werden, dass die Schneidwirkung optimal zur Wir- kung kommt. Cave: Alle Skalpelle, besonders Sichelmesser auf OP-Sets, müssen regelmäßig kontrolliert werden. Gewebeverletzungen durch Einrisse der Schleim- haut infolge stumpfer Klingen sind die Ursache von Nachblutungen und Wundheilungsstörungen. Weitere Spezialmesser sind z.B.: Rundmesser (nach Plester), Septummesser (nach Freer), Plastikmesser (nach Joseph), Septummesser (nach Cottle), Tonsil- lenmesser (nach Vetter) u.a. _3. Weichteilpräparation mit der gebauchten Klinge Das Skalpell mit der gebauchten Klinge in verschie- denen Größen ist ein geeignetes Instrument für die scharfe Dissektion von oberflächlichen Weichteil- strukturen. Voraussetzung für die scharfe Präpara- tionmitderKlingesindpräziseanatomischeKennt- nisse, welche die Schnitte öffnen sollen und ein ge- wisses Gefühl für die Schneidwirkung des jeweili- gen Skalpells. Die scharfe Präparation ist einerseits elegant, zeitsparend und atraumatisch, anderer- seits bei noch fehlender Übung nicht ungefährlich. Die Illustration (Abb. 6) zeigt das „Aufblättern“ der oberflächlichen Schichten des Halses entlang einer Inzision an der Vorderkante des M. sternocleido- mastoideus, wie sie z. B. bei der Neck dissection, Ex- stirpation einer lateralen Halszyste oder eines Lymphknotens in unterschiedlichen Dimensionen üblich ist. Nacheinander wird die Kutis/Subkutis als eine Schicht von Platysma und Muskulatur ge- trennt.DanachbeginntdiestumpfePräparationmit der stumpf-stumpfen Präparierschere zum Aufsu- chenderStrukturenderHals-Gefäß-Scheide(A.ca- rotis communis, N. vagus, V. jugularis). Durch Ver- änderung von Neigungs- und Anstellwinkel der ge- bauchtenKlingekannderOperateurEinflussaufdie Schneidwirkung der Klinge nehmen und – variie- rend zwischen scharf, halbscharf und stumpf – je nach Präferenz entsprechend kontrollieren._ Literatur Berbohm, Grundlagen der Instrumentenkunde für den HNO-Arzt und plastischen Gesichtschirurgen.Endo-press,Tuttlingen 2007 26 I face2_2010 Abb. 6_ Die Illustration zeigt das „Aufblättern“ der oberflächlichen Schichten des Halses. Abb. 6 Prof. Dr. Hans Behrbohm Privatpraxis am Kurfürstendamm 61 10707 Berlin www.ku61.de face_Kontakt scharf stumpf scharf stumpf
