Grundlagen der Instrumentenkunde sind ein unverzichtbares Rüstzeug für jeden Operateur. Leider werden Kenntnisse zur Instrumentenkunde heute nicht mehr systematisch vermittelt – weder während des Studiums noch in der Ausbildung zum Facharzt. Warum werden in den Katalogen über 100 Scheren angeboten, wenn niemand mehr die Unterschiede in den Anwendungs- und technischen Eigenschaften kennt? Wie funktioniert eine Präparierschere und welche Blattform bietet welche Vorteile? Wie halte ich ein Skalpell richtig und kontrolliere gleichzeitig die Schneidwirkung bei der scharfen Präparation? Wie kontrolliere ich Schärfe und wie unterscheide ich Qualitätsinstrumente von Plagiaten und beuge einem unsachgemäßen Umgang vor? Das Anliegen der vorliegenden Publikation, die Auszüge einer Monografie des Autors enthält, gibt einige Antworten. Zumindest soll das Verständnis dafür geweckt werden, dass die Auswahl des geeigneten Instrumentariums nicht beliebig ist.
Fachbeitrag _ Instrumentenkunde I der modernen Nasenchirurgie und Wegbereiter der PlastischenGesichtschirurgie,Prof.JacquesJoseph, entwickelte Zeit seines Lebens neue Instrumente oder modifizierte und verbesserte Instrumente für seine komplizierten rekonstruktiven und ästheti- schenOperationendesGesichtes.Weltbekanntistder Joseph, ein Raspatorium, welches für den Gesichts- chirurgen auch heute noch unverzichtbar ist. Joseph ließ jedes von ihm entwickelte oder modifizierte In- strumentmiteinerkleinenGravurProf.Josephverse- hen.DieSammlunghistorischerOriginalinstrumente vonJosephwirdgegenwärtiginderAusstellung„Dem Leben auf der Spur“ des Medizinhistorischen Mu- seums der Charité in Berlin gezeigt, und kann dem Leser nur empfohlen werden (Abb. 2). Es gehörte schon immer zur Philosophie des Hauses Karl Storz, die Ideen innovativer Operateure aufzu- greifen, und daraus immer bessere Instrumente für immer speziellere Anwendungen zu konstruieren. Ohne diesen Dialog zwischen Operateur und Instru- mentenbauer ist Fortschritt in der Chirurgie unmög- lich. Im Folgenden soll exemplarisch, beginnend mit den Skalpellen undScheren,quasieinekleineEinführung in die Instrumentenkunde gegeben werden. Bauchige, verschieden gekrümmte Skalpelle haben gute und fast ubiquitäre Einsatzmöglichkeiten für denHautschnittunddiescharfePräparation.Jenach Länge des Schnittes und Dicke der Haut und des Unterhaut- und Fettgewebes sollte die Größe der Klinge gewählt werden. Die spitze Klinge (Nr. 11) ist für kleine und winkelige Feininzisionen geeignet, die zweischneidigen Skal- pelle nach Joseph dienen der scharfen Präparation und Ablösung größerer Areale unter Kontrolle des Fingers (Abb. 3). _1. Führung des Skalpells Eine sichere Führung des Skalpells ist möglich, wenn es wie ein Federhalter gehalten wird. Die Hand oder die Finger 3 bis 5 werden dabei aufgelegt bzw. abge- stützt (Abb. 4 und 5). DerHautschnittbeginntmitdemdosierten,aberent- schlossenen fast senkrechten Einstich der Klinge durchdieHaut(jenachDicke).DanachwirddasSkal- pell in einem Winkel von 45° angekippt und der SchnittbiszumEndedurchgezogen.AmEndewirddie Klinge wieder schräg gestellt, um eine homogene Schnitttiefe zu gewährleisten. Wird das Skalpell fla- cher als 45° geneigt, so verliert die Schneide an Kraft und die Klinge kann auch mit etwas Gefühl z.B. über eine Vene gleiten, ohne diese zu durchtrennen. Das kannmanz.B.beidenlangenHautinzisionenausnut- zen,umüberoberflächlicheVenenzugleiten.DasBei- spielmachtdeutlich,dassdieSchneidwirkungderge- bauchtenKlingestarkvonderAnstellungbeiderPrä- paration abhängt. Das kann der Operateur bei der scharfen Präparation von großen Hautlappen aus- nutzen. Damit ist der Wechsel von maximaler Abb. 3_ Verschiedene geschweifte, bauchige Skalpelle und das gebogene zweischneidige Joseph- Messer. Abb. 4 und 5_ Führung des Skalpells beim Einstich und Schneiden. I 25face2_2010 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5
