Im Laufe der letzten 30 Jahre haben sich endo-skopische Untersuchungstechniken und Operationsverfahren in den verschiedensten medizinischen Fachdisziplinen etabliert und die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten geradezu revolutionär verbessert...
Fachbeitrag _ endoskopische Techniken I Gegebenenfalls können weitere dislozierte Frag- mente der Kieferhöhlenwände reponiert werden und zur Stabilisierung der Frakturfragmente bzw. zur Unterstützung eines frakturierten Orbitabo- dens bei intakter Periorbita, also fehlendem Fett- prolaps, ein sogenannter Antralballon über das geschaffene supraturbinale Kieferhöhlenfenster platziert werden. Falls nach diesem kombinierten diagnostischen undtherapeutischentransnasal-endoskopischen Eingriff und einer eventuell notwendigen trans- vestibulären Reposition des dislozierten Jochbo- gens ein kosmetisch ansprechendes Repositions- ergebnis erreicht worden sein sollte, so kann die Operation unter der Voraussetzung eines stabilen Orbitabodens und eines intakten bzw. nicht dislo- zierten Infraorbitalrandes beendet werden. Sollte die Endoskopie ergeben, dass weitere therapeuti- scheSchritteerforderlichsind,kanndieOperation jederzeit über alle bekannten traditionellen Zu- gangswege erweitert werden. Im Falle einer notwendigen Rekonstruktion des Orbitabodens können optional Anteile des hinte- renSeptumsübereinenendoskopischendorsalen Hemitransfixionsschnitt entnommen werden, welche anschließend über einen Subziliarschnitt unter Darstellung des frakturierten Orbitabodens vonaußenzurRekonstruktiondesselbenverwen- det werden können. Die Anwendung des transnasal-endoskopischen Vorgehens als ergänzendes Verfahren bei der Be- handlung von Mittelgesichtsfrakturen bietet also sowohl einen diagnostischen als auch einen the- rapeutischen Vorteil. Der diagnostische Benefit liegt vor allem darin, dass man mit der Endoskopie über ein zusätz- liches visualisierendes diagnostisches Verfahren verfügt, welches dem Operateur nicht nur das AusmaßderoftsehrvariablenFrakturendarstellt, sondern auch den Grad der statischen Schwä- chung unter dynamischer Belastung, wie z.B. bei der Prüfung des Orbitabodens unter endoskopi- scher Sicht bei gleichzeitigem Druck auf den Bul- bus. Dadurch kann man für den einzelnen Patienten ein sehr individuelles therapeutisches Konzept entwickeln, welches unter Umständen auch ein geringeres Operationstrauma beinhaltet. Ein minimales Operationstrauma sollte neben der korrektenOperationsindikationundeinemindivi- duellabgestimmtentherapeutischenKonzeptdas oberste Ziel einer optimalen Versorgung sein. AusdiesemSatzleitetsichdertherapeutischeBe- nefit für die Patienten ab, wenn es gelingt, eine notwendige operative Versorgung einer Mittel- gesichtsfraktur so atraumatisch wie möglich zu gestalten, im Idealfall ausschließlich auf trans- nasal-endoskopischem Weg._ Abb. 4_ Endoskopisch entnommene Anteile des Septum nasi zur Rekon- struktion einer Trümmerfraktur des Orbitabodens. Abb. 5_ Zustand nach endoskopi- scher Entnahme von Anteilen der Lamina quadrangularis und perpen- dicularis über einen vertikalen hinte- ren Hemitransfixionsschnitt unmittel- bar vor der knorpelig-knöchernen Übergangszone des Septum nasi. Abb. 6_ Zustand nach Reposition einer Orbitafetthernie aus der linken Kieferhöhle und Dekompression des N. infraorbitalis sowie Rekonstruk- tion des Orbitabodens mit knorpelig- knöchernen Anteilen des Septum nasi über einen subziliaren Zugang. Abb. 7_ Ansicht nach einschichtigem Wundverschluss durch eine monofile Intrakutannaht. Abb. 8_ Miniplattenosteosynhese eines frakurierten Infraorbitalrandes. Abb. 9_ Endoskopische Dekompres- sion des rechten N. infraorbitalis durch Entfernung von scharfkantigen Frakturfragmenten über ein supra- turbinales Kieferhöhlenfenster nach einer lateralen Mittelgesichtsfraktur. I 23face2_2010 Dr.Heiko Birke Park-KlinikWeißensee Schönstraße 80 13086 Berlin E-Mail:www.birke@park-klinik.com face_Kontakt Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6 Abb. 7 Abb. 8 Abb. 9
