Nichts individualisiert einen Menschen mehr als sein Gesicht. Und nirgends treten die Merkmale des Reifens und Alterns deutlicher hervor als im Gesicht. Die Bedeutung speziell der Nase als prägendes Merkmal für Gesicht, Typ und Charakter, ihre Ästhetik im Hinblick auf die Wahrnehmung und Einschätzung durch die Umwelt und die Möglichkeiten ihrer Korrektur zur Verbesserung dieser Wirkungen wurden vom Autor an früherer Stelle ausführlich behandelt (face 3/2008, Seite 28). Gegenstand der folgenden Ausführungen sind die flächigen Gesichtsfelder, die weniger den individuellen Typus charakterisieren, dafür jedoch umso mehr den Alterungsgrad eines Menschen spiegeln. Hier wie dort bietet die ästhetische Chirurgie Wege, das Erscheinungsbild positiv zu beeinflussen. Das Facelift ist das geeignete Mittel, dem Wunsch nach höherer Sympathie durch ein frischeres, jugendlicheres Erscheinungsbild nachzukommen. Welche Merkmale sind es im Einzelnen, an denen sich im Gesicht der Alterungsprozess festmachen lässt, und welche Möglichkeiten bietet die ästhetische Chirurgie nach dem heutigen Stand der Dinge, an diesen Merkmalen korrigierend einzugreifen?
Fachbeitrag _ Facelift I I 15face2_2010 Volumen aufweist, ist das subperiostale Mittelge- sichtslift (Midfacelift) mit einer Inzision von intra- oral (aus der Mundhöhle im Bereich der Mucosa oberhalbderoberenZahnreihe)odervonunterhalb der unteren Augenwimpern eine effektive Me- thode. Damit kann viel Volumen vom Bereich des unteren Mittelgesichts in den des oberen Mittelge- sichtsverlagertwerden,waszueinemdeutlichjün- geren Aussehen führt. Die tiefen Unebenheiten unterhalb der Augen (subocular, tear drop defor- mity) resultieren aus Fettgewebsverlust und Absa- cken des Musculus orbitalis oculi in diesem Bereich und können mit dem oben genannten Midfacelift behoben werden. Ebenfalls werden die Falten um die Augen (periorbital) und die Falten zwischen Nase und Mund (nasolabial) geglättet. Dieses Ver- fahren wird oft mit einer Unterlid-Plastik und einer Transplantation von Eigenfettgewebe kombiniert, um Tränensäcke, Unebenheiten und kleine Falten um die Augen zu entfernen bzw. zu glätten (Abb. 5). _Wangen und Hals Im Bereich des unteren Mittelgesichtes, des Unter- kieferrandes und des Halses ist die oben beschrie- beneSMAS-Platysma-Methodesehreffektiv.Dabei wird z.B. durch einen omegaförmigen Schnitt um das Ohr die Haut sowie das SMAS und Platysma als Bi-Plane (zweischichtig) freipräpariert, gehoben und in die gewünschte Position kranialwärts verla- gert. Damit kann die Hals-Silhouette wiederhergestellt, die Unterkieferknochengrenze wieder klar defi- niert,diePerioralfaltenunddieNasolabialfaltenre- duziert und etwas mehr Volumen ins Mittelgesicht verlagertwerden.DieseMethodekann,wennange- zeigt, mit einer Fettgewebsreduktion im Halsbe- reich zum Beispiel mittels Liposuktion kombiniert werden (Abb. 6). Facelift-Verfahren können und werden oft mit an- deren Operationsverfahren kombiniert, z.B. mit oberer und unterer Augenlid-Plastik, Nasenkorrek- tur, Kinnverschiebung (Profilkorrektur) und Gewe- betransplantation, wie z.B. Liposculpturing (Fett- gewebstransplantation z.B. vom Bauch) zur Volu- menaddition zum oberen Mittelgesicht, in den Be- reichderNasolabialfaltenundPerioralfaltenzude- ren Glättung. InseltenenFällen,etwabeieinemflachenMittelge- sicht (dish face) und zurückliegendem Kinn (flie- hendes Kinn), haben plastische Chirurgen lediglich durchVerschiebendesOber-undUnterkiefersnach vorne einen extremen Verjüngungseffekt erzielt. Das fehlende Volumen wird dabei quasi durch die Ober-undUnterkieferknochenaufgefüllt.Zugleich wirddadurchderWeichteilmantelgedehntundso- mit die Gesichtsfalten geglättet. Facelift-Operationen können unter Vollnarkose oder unter lokaler Betäubung mit Sedierung (sog. Dämmerschlaf) durchgeführt werden. Der Autor bevorzugt bei den oben genannten Operationsver- fahrendielokaleBetäubungmitSedierung,weilda- durch das Operationsfeld blutarmer ist. Je nach UmfangderOPwirddenPatienteneinAntibiotikum verabreicht. Die Sedierung wird mittels Dormicum, Dipidolor und Vomex durchgeführt. Als Lokalanäs- thetikum wird 0,5- bzw. 0,25%iges Xylocain mit Adrenalin 1:100.000 bzw. 1:50.000 verwendet. Die Operationszeit liegt je nach Umfang der OP zwi- schen zwei und sieben Stunden. Die Patienten blei- beneinbiszweiTageinderKlinik.DasNahtmaterial wird nach acht Tagen entfernt. Periodische Nach- kontrollen erfolgen nach Absprache. _Risiken Bei einer ästhetischen Operation gibt es keine Er- folgsgarantie.EinangestrebtesästhetischesErgeb- nis kann nicht garantiert werden. Die Risiken sind: Blutungen, Infektionen, Asymmetrie, Narbenhy- pertrophie, Verletzung des Auges, Verletzung von Nerven (z.B. des Nervus facialis, was zu Gesichts- lähmungen bzw. Teillähmungen führen kann, und des Nervus trigeminus, was zu Sensibilitätsverlust führen kann), Haarverlust, Hautverfärbungen, Hautnekrosen,Wundheilverzögerung,Notwendig- keit einer Nachoperation. Diese geringen Risiken vermindern sich freilich weiter, je erfahrener und talentierter der Chirurg ist._ Dr. med. Paul J. Edelmann Frankfurter Klinik für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie Dreieichstraße 59 60594 Frankfurt am Main Tel.:0 69/95 99 20 41 E-Mail: info@frankfurter-klinik.de www.frankfurter-klinik.de face_Kontakt Abb. 9a Abb. 9b Abb. 9c Abb. 9d Beispiel 3 (Abb. 9a–d)_Bei dieser Patientin wurde ein sogenanntes subperiostales Facelift durchgeführt (unter der Knochenhaut). Dabei wur- den Schnitte im Bereich der Haare und in der Mundhöhle vorgenom- men, also verdeckte Schnitte ohne sichtbare Narben. Dieses Verfahren eignet sich bei jüngeren Patienten (bis ca. 45 Jahre). Bei älteren Patien- ten kombiniert man es oft mit dem SMAS-Verfahren. Man erkennt deut- lich den stärker betonten Halswinkel und die schärfere Kontur des Unterkiefers.
