Nichts individualisiert einen Menschen mehr als sein Gesicht. Und nirgends treten die Merkmale des Reifens und Alterns deutlicher hervor als im Gesicht. Die Bedeutung speziell der Nase als prägendes Merkmal für Gesicht, Typ und Charakter, ihre Ästhetik im Hinblick auf die Wahrnehmung und Einschätzung durch die Umwelt und die Möglichkeiten ihrer Korrektur zur Verbesserung dieser Wirkungen wurden vom Autor an früherer Stelle ausführlich behandelt (face 3/2008, Seite 28). Gegenstand der folgenden Ausführungen sind die flächigen Gesichtsfelder, die weniger den individuellen Typus charakterisieren, dafür jedoch umso mehr den Alterungsgrad eines Menschen spiegeln. Hier wie dort bietet die ästhetische Chirurgie Wege, das Erscheinungsbild positiv zu beeinflussen. Das Facelift ist das geeignete Mittel, dem Wunsch nach höherer Sympathie durch ein frischeres, jugendlicheres Erscheinungsbild nachzukommen. Welche Merkmale sind es im Einzelnen, an denen sich im Gesicht der Alterungsprozess festmachen lässt, und welche Möglichkeiten bietet die ästhetische Chirurgie nach dem heutigen Stand der Dinge, an diesen Merkmalen korrigierend einzugreifen?
I Fachbeitrag _ Facelift imVergleichzudenheutigenMethodennurzueinem sehr bescheidenen Resultat. Bei diesen anfänglichen MethodenhattendiePatienteninderRegelpostope- rative Stigmata, welche die Operation erkennen lie- ßen. Das „operierte Aussehen“ war ein typisches Re- sultat der Eingriffe bis in die 1970er-Jahre. Nach ausgedehnten anatomischen Studien erwie- sen sich im Laufe von Jahrzehnten die tiefer liegen- denGewebeschichtenalszumPräparierengeeigne- ter.DiefreipräparierteHautschichtwurdedickerge- lassen, um eine bessere Durchblutung der Haut zu gewährleisten. Nervenverletzungen konnten auf- grund der anatomischen Studien reduziert werden. EingroßerFortschrittinderFacelift-Chirurgiegelang dem französischen Chirurgen Paul Tessier, dem welt- ersten Kraniofazial-Chirurgen. Er beschrieb in den 1960er-Jahren das subperiostale Facelift im Stirnbe- reich. Bei dieser Methode wird das gesamte Weich- teilgewebe des Gesichtes vom Knochen gelöst, frei- präpariert und verschoben. Es ist somit der dickste undstabilsteWeichteilmantelmitHautgewebe,Fett- gewebe, Muskelgewebe und Faszien, der zur Verfü- gungsteht.Damitkanneinsehrlanglebiges,natürlich wirkendes Resultat erzielt werden. Mit dieser Me- thode können die Augenbrauen gehoben und die Stirnfalten geglättet werden. Dieses Verfahren wird heute auch im Ober- und Unterkieferbereich ange- wandt (Abb. 4 und 5). Ein zweiter bedeutender Schritt wurde von dem schwedischen Chirurgen Tord Skoog in den 1970er- Jahren vorgestellt mit der Dissektion einer tieferen Schicht im Wangen- und Halsbereich, dem SMAS (Superficial Muscular Aponeurotic System) und dem Platysma(Musculusplatysma).Diesistebenfallseine sehr stabile Gewebeschicht, die mit der Zeit nur we- nig nachgibt. Mit Heben und Verlagern dieser Gewe- beschicht kann man die Wangen- und Halskonturen kontrolliert deutlicher und langlebiger in die ge- wünschte Position bringen und dort halten. Da man die Haut dazu nicht sonderlich ziehen muss, sieht der Patient auch nicht „operiert“ aus (Abb. 6). SeithersindvieleweitereVerbesserungenanSchnitt- führungen, Vektoren des zu verlagernden Gewebes und Kombinationen mit zusätzlichen Verfahren vor- gestelltworden,diedazubeigetragenhaben,dassdie Operationsverfahren sicherer und besser vorhersag- bar sind. Maßgebend sind dafür u.a. die Chirurgen Vladimir Mitz (Frankreich), Robert Flowers (USA), Bruce F. Connell (USA) und Fernando Ortiz-Monas- terio (Mexiko). Deren Errungenschaften schließen 12 I face2_2010 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 4_ Endoskopisches Stirnlift mit zwei Arbeitszugängen und einem Zugang für das Endoskop. Abb. 5_ Subperiostales Mittel- gesichtslift mit intraoralem Zugang. Abb. 6_ Freipräparierte SMAS- und Platysma-Schicht, Verlagern der Schicht nach superior und posterior. SMAS Platysma Abb. 6
