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zwp zahnarzt wirtschaft praxis editorial ZWP 7+8/2010 3 Die Dentinmatrix enthält Matrix-Metalloproteinasen, 28 Enzyme, von denen 22 im humanen Gewebe zu finden sind. Sie sind als proteolytisch wirkende Proteine am Aufbau bzw. der Degradation von Proteinen der extrazellulären Matrix, zu denen auch Kollagene gehören, beteiligt. Dentinadhäsive demineralisieren das Dentin, indem aus der Dentinoberflä- che Hydroxylapatit herausgelöst wird. Dünne Dentinadhä- sivschichten wirken analog einer semipermeablen Mem- bran. Das Kollagennetzwerk des Dentins liegt frei, sobald das Hydroxylapatit in Lösung geht. Das Wasser wird durch Monomere des Dentinadhäsivs verdrängt und das Kollagen- netzwerk infiltriert. Es bildet sich eine Hybridschicht. La- tente MMPs werden aktiviert, wenn milde selbstätzende Adhäsive zur Demineralisierung des intraradikulären Den- tins benutzt werden. Wahrscheinlich tragen selbstätzende Adhäsive zum Akti- vierungsprozess durch die Spaltung der MMP-Kollagenbin- dung während der Demineralisierungsphase bei. Da milde selbstätzende Adhäsive latente MMPs anregen ohne zu de- naturieren, können diese Enzyme in die gebildete Hybrid- schicht eingeschlossen werden. Wenn eine vollständige In- filtration der demineralisierten Kollagenmatrix mit Ad- häsivkunststoffen erreicht werden könnte, müssten diese Enzyme mittels der Monomere des Adhäsivs und des Kunst- stoffsealers ständig von den gefüllten Wurzelkanälen se- questriert werden. Hybridschichten, die durch Dentinadhäsive entstanden sind, wirken wie semipermeable Membranen und weisen Nano- leakagen auf. Durch diese Wasserdurchlässigkeit bieten sie aktivierten Matrix-Metalloproteinasen die Möglich- keit, ihre hydrolytische Funktion gegenüber Kollagenfibril- len auszuüben. Es ist bekannt, dass MMPs zu den Hydrola- sen gehören, die Wasser benötigen, um Peptidverbindungen in den Kollagenmolekülen zu hydrolysieren. Bei einer Frak- tur der koronalen Versiegelung oder bei Anwendung verein- fachter selbstätzender Einschrittadhäsive, die höchst an- fällig für eine Wasseraufnahme sind, könnte Wasser diese Hybridschicht durchdringen und zu einer verstärkten Kol- lagenolyse führen. Dies könnte sich negativ auf die Be- ständigkeit adhäsiv gebondeter Wurzelkanalfüllungen und Glasfaserstifte auswirken. Die kollagenolytische Aktivität kann möglicherweise durch Chlorhexidin gehemmt werden. Bei der Anwendung von selbstätzenden Adhäsiven werden latente MMPs aktiviert, die aber durch das Auftragen von Chlorhexidin deaktiviert werden, wenn auch nur unvollständig. Das Einkleben von Glasfaserstiften setzt also Kenntnisse im biochemischen Bereich voraus, eine einfache langfristig si- chere Bindung scheint zwar möglich, ist aber sehr empfind- lich gegenüber Anwendungsfehlern, einschließlich eines abgestimmten Spülprotokolls. Neue Materialien in die Endo- dontie ohne darauf abgestimmte Behandlungsabläufe ein- zuführen, kann sich langfristig als klinischer Misserfolg her- ausstellen, deren Vermeidung nur bei Kenntnis der bioche- mischen Grundlagen möglich ist. Leider sind wir Zahnärzte in der Regel aber nicht so fit in Grundlagenkenntnissen, und deshalb auf Informationen seitens der Hersteller angewiesen, diese allerdings weisen in den seltensten Fällen auf solche grundlegenden Behand- lungs- oder Verarbeitungsfehler hin. Uns bleibt also keine andere Wahl: entweder nochmals Bio- chemie studieren oder die Fachliteratur aufmerksam durch- forsten, was uns bei der Einführung neuer Materialien so alles noch erwartet … Ihr Prof. Dr. Rudolf Beer Langzeitprobleme adhäsiverVerankerungen imWurzelkanal Prof. Dr. Rudolf Beer Privatpraxis für Endodontie, Essen

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