Brasilien ist eine multikulturell geprägte Nation, 24-mal so groß wie Deutschland. Das einstige Schwellenland mit der zukünftigen Olympiastadt Rio de Janeiro und der Fußballweltmeisterschaft 2014 scheint den Absprung zu finden. Doch als Tourist ist nicht mehr möglich, als oberflächlich die mitreißende Mentalität der Menschen und die großen sozialen Probleme zu erhaschen. Wie schaut Zahnmedizin hier eigentlich aus?
>>> Als es am 16.02.2009 zu einer sechswöchigen Fa- mulatur in den Semesterferien losging,wussten wir, Alexander Grundei und Marcel Hartmann, nicht im Geringsten, was uns erwartete. Ziel nach insge- samt 16 Stunden Flug war der östlichst gelegene Punkt Südamerikas, die 800.000-Einwohner-Stadt João Pessoa. Was wir hatten war ein Professor, der uns vom Flug- hafen abholte, die 3-Nächte-Buchung in einer Ju- gendherberge am Meer, die materielle Unterstüt- zungderFirmenPluradentundVOCOunddieZusage der Universidade Féderal da Paraiba,eine Famulatur für die vier Wochen, in denen noch Semester statt- fanden,machen zu dürfen. SchonamerstenTagwurdenwirindas„Professoren- zimmer“mitgenommen,wasmansichalsDeutscher wie ein Lehrerzimmer vorstellen kann. Hier ist der zentrale Raum, wo alle Profs ihre Schreibtische ne- beneinander haben, in dem fachübergreifend kom- muniziert und organisiert wird. Mit den Professoren ist man in Brasilien per Du,dasVerhältnis ist brasilia- nisch locker und unbedarft, nicht jedoch ohne den Respekt zu verlieren. Schnell wollte uns jeder Professor in seinem Kurs haben, sodass wir uns per- manent aussuchen konnten, in welchen klinischen Patientenkursen wir denTag behandelten. Wir staunten nicht schlecht, als uns die Hygiene- standards, die Kittel, Brille, Mundschutz und Haar- schutz(!) beinhalten, erklärt wurden. Bei 36°C im Schatten, einer unglaublich hohen Luftfeuchtigkeit und das an 365Tagen im Jahr,wurde uns physisch so einiges abverlangt (Klimaanlage gab es meist nicht, die Uni ist architektonisch offen konstruiert). Von nun an ging es jeden Morgen mit dem Linienbus inWeiß (Spinde gibt es nicht,die Studenten sollen in Arbeitskleidung zur Uni kommen) in die UFPB. Das Gesundheitssystem an den Universitäten ist so or- ganisiert, dass die Behandlung für jeden Patienten, egal ob beim Professor oder einem Studenten, um- sonst ist und vom Staat übernommen wird.Dies hat zurFolge,dasssichdieUmfängehieraufdiezahnärzt- lichen Standardbehandlungen beschränken. Demzufolge sahen wir einen Großteil der armen Be- völkerung schon morgens seit 5 Uhr wartend in der Uni sitzen, um sich in eine der Wartelisten für einen Studentenkurs eintragen zu lassen. Als Beispiel sei 46 dentalfresh #1 2010 AM ÄQUATOR famuliert … Brasilien ist eine multikulturell geprägte Nation, 24-mal so groß wie Deutsch- land. Das einstige Schwellenland mit der zukünftigen Olympiastadt Rio de Janeiro und der Fußballweltmeisterschaft 2014 scheint den Absprung zu finden. Doch als Tourist ist nicht mehr möglich, als oberflächlich die mitreißende Mentalität der Menschen und die großen sozialen Probleme zu erhaschen. Wie schaut Zahnmedizin hier eigentlich aus? – Ein Famulaturbericht Marcel Hartmann
