Dental Tribune Swiss, Ausgabe 9, 2010

Für viele allgemein praktizierende Zahnärzte ist die orale Pathologie ein schwieriges Gebiet, die Erkran- kungen sind nicht alltäglich und sehr vielfältig. Die Schlüsselstelle stellt der Übergang von der Norm- variante zur Pathologie dar, welche esunbedingtzuerkennengilt.Nebst zahnmedizinischenThemenwurde auch über verwandte Gebiete refe- riert, wie Dermatologie, orale Pa- thologie und HNO, ganz nach der Forderung des diesjährigen SSO- Kongresses, sich vermehrt um den „Arzt“ im Zahnarzt zu kümmern. Muss ich schon überweisen? Prof. J. Thomas Lambrecht, UZM Basel, präsentierte verschie- dene klinische Patientenbilder und demonstrierte den Zuhörern, wie schon kleine Unterschiede die Pa- thologie ausmachen – oder eben nicht.Als einfaches Beispiel die Lin- gua plicata: Ohne Bakterienbelag ist sie noch eine Normvariante, mit Candida-Belagjedochpathologisch. Prof. Lambrecht betonte, dass sich derZahnarztnichtnuraufdieZähne konzentrieren sollte. Auch Schleim- häute, Mandeln und Zungengrund gehören in sein Blickfeld. Nur so kann er seine Verantwortung in der Früherkennung schwerer Erkran- kungen wahrnehmen. Weil der ÜbergangvonderNormvariantezur Pathologie fliessend ist, sind regel- mässige Kontrollen und fotografi- sche Dokumentation essenziell. Ein Zapfenzahn als seitlicher Schneide- zahn,odereineUvulabifida(Längs- spaltung des Gaumenzäpfchens) werdenheutzutagebereitsalsMikro- symptome betrachtet und bedürfen einersorgfältigenBeobachtung. Patientenfälle nicht alleine lösen AneinerUniversitätzuarbeiten hat den Vorteil, dass die Fälle nicht alleine gelöst werden müssen. OA Dr. Irène Hitz Lindenmüller, UZM Basel,und Prof.Peter Häusermann vom Universitätsspital Basel, refe- rierten als perfekt eingespieltes Team, wie sie gemeinsame Patien- tenfälle an der Universität behan- deln. Irène Hitz Lindenmüller zeigte Bilder aus ihrer Sprech- stundeunderklärtewieStanzbiop- sien optimal entnommen werden, Peter Häusermann ergänzte die Präsentation mit Fällen aus seiner dermatologischen Sprechstunde und den entsprechenden extraora- len Bildern. Pathologisch korrektes Vorgehen: • AusführlicheAnamneseundsorg- fältigeklinischeUntersuchungder gesamten Mundhöhle bis in den Rachenraum. Auch die für Zahn- ärzte zugänglichen Hautbereiche sollen untersucht werden. • Zur Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose braucht es in den meisten Fällen eine Histolo- gie, eine (in-)direkte Immunfluo- reszenzsowieimmunserologische Abklärungen. • Bei enoralen Schleimhautbefun- den, die trotz histologischem Be- fund nicht eindeutig sind, sollte die Zusammenarbeit mit Derma- tologen und Rheumatologen ge- sucht werden. Marc Zehnder gewann den Nachwuchswettbewerb Drei junge Zahnärzte stellten ihre Forschungsarbeit vor. Marc Frei aus Bern zeigte seine Studie überdasRauchverhaltenundderen Schleimhautveränderungen. Die Fragen der dreiköpfigen Jury be- antwortete er souverän. PeterWeder aus Zürich präsen- tiertedieErgebnissenach42Front- zahn-Replantationen. In seinem Vortrag zeigte er die anatomischen und histologischen Vorgänge nach einerAvulsionundwievorzugehen ist,umdenSchadenmöglichstklein zu halten. Seinen Vortrag beendete er mit Leitsätzen zur Behandlung einerAvulsion. PacoWeisspräsentiertestellver- tretend für seinen Basler Kollegen Marc Zehnder, der leider verhin- dert war, dessen Dissertation über Rapid Prototyping aus DVT-Da- ten. Mit anschaulichen Bildern zeigte Paco Weiss, beginnend beim ersten Röntgenbild 1895 von Wil- helm Conrad Röntgen, wie heute standardmässig Rapid Prototyping Modelle aus CT-Daten gemacht werden. Die Fragestellung seiner Arbeitwar,obauchausDVT-Daten solche Modelle hergestellt werden können.DiegrössteHürdeistdabei das sogenannte Thresholding, das Erkennen des Schwellenwerts zwi- schen zwei verschiedenen Grau- punkten.FürdasmenschlicheAuge eine einfache Aufgabe, dem Com- putermussdasaberersteinmalbei- gebracht werden. Das so aus den DVT-Daten hergestellte dreidi- mensionale reale Modell kann bei- spielsweisefürdasÜbenvonOsteo- tomien im Studentenkurs oder zur Visualisierung für den Patienten dienen. Mit dieser Arbeit hat Marc Zehnder den Nachwuchswettbe- werb 2010 der SSOS gewonnen – herzlichen Glückwunsch! Modernste Technik bei der Operation von Speicheldrüsen Um bei einer Feinnadelpunk- tionderSpeicheldrüsendierichtige Stelle zu treffen, bedient man sich auf derHNOderultraschallgesteu- erten Feinnadelpunktion. Dr. Gunther Pabst zeigte mittels ver- schiedenerVideos,wie unter Beob- achtung des Ultraschallbilds eine punktgenaue Biopsie entnommen werden kann, zum Beispiel gezielt vomRand,wonichtvieleNekrosen vorhanden sind. Holzverarbeitende Berufe als Risikofaktor Der Bosporus der Nasenhöhle ist der Ostio-Meatale-Komplex. Ist dieser verstopft, wird aus einem „See“ schnell ein„Sumpf“, der übel zu riechen beginnt. Gemeint sind die Nasennebenhöhlen, die sich nicht mehr optimal entleeren und so schnell von Bakterien besiedelt werden.MitZugangüberdenmitt- leren Nasengang werden heute Fremdkörper unter Lokalanästhe- sie entfernt. Zugänge, wie die nach Caldwell-Luc benannte chirurgi- sche Eröffnung der Kieferhöhle durch die Mundhöhle, werden heute gemäss Prof. Marco Caver- saccio, Inselspital Bern, nicht mehr empfohlen. Das Adenokarzinom (bösartiger Tumor des Drüsenge- webes) ist eine Berufskrankheit bei Schreinern. Lehrlinge sollten da- rum möglichst früh für das Tragen einer Atemschutzmaske sensibili- siert werden. Nichtzahnmedizinisches als Highlight Zwei der spannendsten Vor- träge fanden am zweiten Tag statt, Prof. Selim Orgül über die Seh- schwierigkeiten im Alltag des 4Seiten 20ff. Abutment-Systeme im Vergleich Drei Hersteller demonstrierten ihre Systeme an einem Abendsymposium der DentBern/ Zürich am ZZMK. Dr. Daniel Thoma hielt das Hauptreferat. 4Seiten 14ff. Parodontitis/Periimplantitis Was gibt es Neues von den Experten? Ant- wortengabendieseaneinemSymposiumder fortbildungROSENBERGmitüber300Teil- nehmern. 4Seiten 20ff. Der komplexe Implantatfall Zwei verschiedene Systeme im Vergleich bei einerLive-OPimKKLmitPDDr.Dr.Dennis Rohner und Dr. Uwe Held vom cfc Hirslan- den. Implants Special Schreckgespenst orale Pathologie? Diagnosen und Differenzialdiagnosen in der täglichen Praxis standen im Zentrum der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Oralchirurgie und Stomatologie in der Arena Filmcity Zürich. Ein Beitrag von med. dent. Roman Wieland. DerVorstandderSSOSkonntesichübereinenerfolgreichenKongressfreuen(v.l.n.r.):Dr.Sandro Leoncini, Lugano; PD Dr. Michael Bornstein, ZMK Bern; Prof. Dr.Andreas Filippi, UZM Basel; Dr. Dr. Yves Germanier, Genf; Dr. Beatrice Franziska Niederöst, Oberengstringen; und Dr. Dr. Erwin Meier,Rapperswil. Fotos: med.dent.RomanWieland Teilnehmer während der Kaffeepause im Foyer der Filmarena in Sihlcity. Nach dem Kongress ging es in den Zürcher Zoo zum Apéro und Nachtessen bei den kleinen und grossenTieren. Dschungelgefühle während der Führung durch die Masoala-Halle im Zoo. Fortsetzung auf Seite 10 Ë OA Dr. Irène Hitz Lindenmüller, UZM Basel, referierte zusammen mit Prof. Peter Häuser- mann über Pathologien der Haut mit oralen Manifestationen.

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