Fischer Art Landemerker

Über Farbschocktherapie, tibetische Kinder und vieles mehr

kunst und zum „sozialistischen Realismus“ des Kommunismus. Ich sehe mich stilistisch in einer Position zwischen Komik und politisch motivierter Wirklichkeit. Meine Werke erzählen Geschichten – meistens überdeutlich, aber immer voller Andeutungen und ironischer Hiebe auf Ereignisse der Gegenwart. Du hast ansonsten eine sehr ungezwungene Sicht auf dich selber als Künstler. Meine Kunst sollte am besten für etwas benutzt werden oder die Leute ganz einfach ein bisschen erfreuen – oder traurig machen. Sie soll eine Ergänzung des Alltags sein. Deine Karriere ist von großen wie kleinen Projekten geprägt, vom Türschild im Wartezimmer beim Zahnarzt bis zur Verkleidung von großen Gebäuden. Ja, mir macht es nach wie vor Freude, an kleinen Zeichnungen zu arbeiten, aber mein Drang, zunehmend monumentalere Werke zu schaffen passt gut zu meinem Talent, auch große Flächen auf wirkungsvolle Weise mit kühnem Farbeinsatz zu füllen. Die Gestaltung der Fassade des neuen Hörsaalgebäudes der Technischen Universität (TU) Dresden war mein erstes Projekt dieser Art. Dies war das Ergebnis eines Wettbewerbes, den ich in meinem vierten Studienjahr gewann. Seitdem gab es viele und immer größere. Etwas in Arbeit? Ich bin dabei, die Fassaden einer ganzen Hotelkette in Spanien, Italien und Frankreich zu gestalten. Und bei archäologischen Ausgrabungen bist du auch dabei gewesen. Auf Einladung des Archäologen Richard Hansen, Leiter des Anthropologischen Instituts der Idaho State University, habe ich archäologische Ausgrabungen im Iran, Guatemala und Mexiko begleitet. Die Zeichnungen, die ich von den Funden angefertigt habe, finden sich nun in den Publikationen des Instituts wieder und die Reisen bildeten die Grundlage für zahlreiche Skizzenbücher. Ich weiß, dass du damit nicht hausierst, also erwähne ich hier selbst dein Engagement in sozialen Projekten. Selbstverständlich gibt man etwas an diejenigen in der Gesellschaft zurück, die es am meisten brauchen. Gut, die Einnahmen aus der Versteigerung der 999 Porträts sind an ein Kindertheater in Leipzig geflossen, ich war beim Bau eines Spielplatzes sowie eines Heims für verwaiste tibetische Kinder in Indien dabei. Aber das hat mich im Großen und Ganzen kaum mehr als ein bisschen von meiner Zeit gekostet. Diese Zeit hättest du dafür verwenden können, Kunstwerke zu schaffen, die du für Geld zu deinem Nutzen hättest verkaufen können. Meine Familie hat, was sie braucht. Warum sollen wir in einem Schloss mit Park wohnen, wenn wir glücklich sind in einem kleinen Haus mit Garten? Im Garten habe ich für meinen beiden ältesten Kinder ein Baumhaus gebaut, und in ein paar Jahren baue ich noch eins dazu für Kind Nummer drei. Ich bin sehr viel unterwegs, es tut uns also gut, ein bisschen eng zusammen zu wohnen und wirklich die Gegenwart des anderen zu spüren, wenn ich zuhause bin. Und ich selbst brauche nicht sehr viel, weder an Kleidung noch an anderen Dingen. Abgesehen von Schuhen – ich bin ein Großverbraucher von teuren Schuhen. Für mich ist es wichtig, bequeme und gute Schuhe zu haben, da ich in denen rund 16 Stunden pro Tag stehen und gehen muss. 7

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