Über Farbschocktherapie, tibetische Kinder und vieles mehr
Viele haben diese verhüllten Gebäude gesehen. Wenn wir jedoch eine bestimmte Person herausheben sollen, die deine Kunst damals beeindruckte, dann wohl den Dalai Lama? Im Mai 2007 besuchte der Dalai Lama Leipzig. Von seinem Hotelzimmer im „Westin“ aus konnte er sein eigenes Porträt am Gebäude auf der anderen Straßenseite sehen sowie ein anderes Werk, das vor dem neuen Kunstmuseum aufgestellt worden war. Es war vor allem dieses Werk, das ihn faszinierte. Er schickte einen seiner Sekretäre los, um den Künstler aufzuspüren, und so wurde ich zur Audienz gebeten. Bei dem Kunstwerk handelte es sich um einen Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg, den ich in zwei verschiedenen Stilen bemalt hatte: Den unteren Teil in Schwarz-Weiß als Verdeutlichung von Krieg, Tod und Elend und dann den oberen Teil in frohen Farben und Motiven als Huldigung ans Leben, den Frieden und die Liebe. Die „Kanone“ spuckte Seifenblasen aus. Viele in Stavanger werden sich an den Panzer erinnern. Er stand letztes Jahr auf dem Marktplatz und war sechs Wochen lang das am meisten fotografierte Objekt der Stadt. Warum faszinierte ausgerechnet dein Panzer den Dalai Lama? Während sich einige davon haben provozieren lassen, dass ein Deutscher es wagt, einen Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg als Grundlage für ein Kunstwerk zu nutzen, hat der Dalai Lama verstanden, dass dies eine Huldigung an den Frieden war, geschaffen von einem deutschen Künstler, der lange nach dem Krieg geboren wurde und erlebt hatte, wie es war, viele Jahre hinter einer Mauer zu leben. Die Audienz beim Dalai Lama endete in einem längeren Gespräch über Kunst und Formsprache sowie einer Einladung in ein tibetisches Kinderdorf in Indien. Dort unterrichtete ich sowohl Kinder als auch tibetische Künstler im Zeichnen. In Indien traf ich auch den Bruder vom Dalai Lama und andere Überlebende der chinesischen Übergriffe auf Tibet. Gemeinsam mit einem deutschen Schriftsteller arbeite ich momentan an einem Buch über die Geschichte Tibets. Das Vorwort hat der Dalai Lama geschrieben. Das Buch wird im Frühjahr 2010 vorliegen. Ich weiß, dass du gut ohne Worte kommunizieren kannst, aber für ein Gespräch mit dem Dalai Lama musst du doch einen Dolmetscher gehabt haben? Ja, bei meinen insgesamt vier Treffen mit dem Dalai Lama wurde ein tibetischer Mönch geholt, der in der Schweiz wohnt. Das war ganz lustig. Ich war es ja nicht gewohnt, mit Mönchen zu reden und spreche für gewöhnlich ziemlich freimütig. Ab und zu konnte ich sehen, wie der junge Dolmetscher etwas errötete. Ich bin nicht sicher, ob er auch wirklich alles übersetzt hat, was ich gesagt habe. Oder ob die tibetische Sprache überhaupt diese Art von Wörtern besitzt, die ich oft benutze… Du hast deinen eigenen persönlichen Stil entwickelt. Welche Künstler haben ihn geprägt? Das sind wohl vor allem Max Ernst, Keith Haring sowie U-Bahn-Graffiti. Wie würdest du deinen eigenen Stil bezeichnen? Ich bezeichne ihn gerne als „Farbschocktherapie” und „marktwirtschaftlichen Realismus“, im Gegensatz zum „Grautonfetischismus“ in der abstrakten Mal5
