Fischer Art Landemerker

Über Farbschocktherapie, tibetische Kinder und vieles mehr

Über Farbschocktherapie, tibetische Kinder und vieles mehr Michael Fischer-Art im Gespräch mit Marleen Laschet Du wurdest als Michael Fischer 1969 in Leipzig geboren. Wie war es, in der DDR aufzuwachsen als Kind mit künstlerischem Talent? Ich habe mein künstlerisches Talent und die Lust zu zeichnen von meiner Großmutter Charlotte geerbt. Dennoch habe ich damals nie die Möglichkeit bekommen, in einer Kunstakademie in Ostdeutschland aufgenommen zu werden. Das kommunistische Regime hatte dogmatische Anforderungen an die Kunst. Der „sozialistische Realismus“ mit seiner Idealisierung der Arbeit und des Arbeiters war der einzige Stil, der erlaubt war, und daran war ich nicht interessiert. Also absolvierte ich eine Ausbildung als Maurer und Maler und arbeitete als Hausmeister. Gegen Ende der 80er Jahre begann ich, in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses zu arbeiten und absolvierte gleichzeitig eine Ausbildung zum Psychiatriepfleger. Dort fing ich an, gemeinsam mit den Patienten zu malen. Für diese war das wie eine Art Therapie, die – so sollte sich zeigen – den Bedarf an Medikamenten beträchtlich reduzierte. Die Leute konnten ihre Frustrationen auf eine kreative Art und Weise kanalisieren. Da konntest du demnach anfangen, dich als Künstler zu entfalten? Ja. Das war eine Nische für einen heranwachsenden Künstler im herrschenden Regime. Hier fand ich die Ruhe, um meine Kreativität zu entfalten. Farbenfrohe Bilder von eingesperrten Psychiatriepatienten sah man nicht als eine ideologische Bedrohung für das System an. Haha, wie sie sich doch irrten! Und dann veränderte sich plötzlich das politische Klima in der DDR, nicht zuletzt in Leipzig. Hast du dich aktiv daran beteiligt? Ab 1987 engagierte ich mich in der politischen Widerstandsbewegung, indem ich Banner und Flugblätter für Friedensdemonstrationen gestaltete und druckte. Und dann fiel die Berliner Mauer und Fischer wurde zu Fischer-Art? Mit dem Fall der Berliner Mauer drückte ich erneut die Schulbank, machte 1992 mein Abitur an der Abendschule und bekam einen Studienplatz an der Hochschule für Graphik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, wo ich bis 1997 studierte. Zu dieser Zeit änderte ich offiziell meinen Namen und nannte mich nun FischerArt. Seitdem arbeite ich als selbständiger Künstler. In einem Interview mit der Zeitung „Rogalands Avis“ vor zwei Jahren fragte ein Journalist, warum du so starke und reine Farben verwendest. Deine Antwort war einfach: „In der DDR war alles einfach nur grau. Als Kind träumte ich davon, ein Feuerwehrauto zu klauen, es mit gelber, roter und grüner Farbe zu füllen und diese auf die Häuser zu sprühen.“ Dieser Kindheitstraum ist in vielerlei Hinsicht in Erfüllung gegangen. Ja, es gibt viele Häuser und öffentliche Gebäude, die ich bemalen durfte. Das sichtbarste Projekt in meiner Heimatstadt Leipzig war die Verblendung von drei Hochhäusern aus DDR-Zeiten mitten im Zentrum. Auf PVC-Leinwand druckten wir 999 Porträts von Prominenten, die ich gezeichnet hatte. Mittlerweile sind die Gebäude abgerissen, zum Glück. Die waren zu nichts mehr zu gebrauchen. Und die ganzen Porträts? Die Leinwand wurde zerschnitten und die PVC-Porträts im Internet versteigert, zusammen mit den Originalen. 3

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